INLIBRIS Gilhofer Nfg.



Auswahl zur 51. Stuttgarter Antiquariatsmesse
Württembergischer Kunstverein, 27.-29. Jänner 2012

 

1 Album amicorum des Hermann Werner (fl. um 1600) aus Hannover, Medizinstudent zu Helmstedt. Stadthagen, Neustadt/Rbge., Hannover, Braunschweig, Helmstedt, Quedlinburg, 1598-1608. 67 Einträger: 64 beschr. Seiten auf 71 Bll. Mit 9 farbigen Wappengoachen, halbseitiger kolorierter Puttenszene sowie einer kleineren Zeichnung. Gepr. Pergamentband der Zeit (restauriert, leicht aufgeworfen), moderne Spiegel. Originale Marmorvorsätze. 8vo.
  € 8.500
Schönes studentisches Album amicorum, über ein Jahrzehnt geführt vom biographisch sonst nicht nachgewiesenen Helmstedter candidatus medicinae Hermann Werner, Bruder des Gräzisten Christoph Werner, welcher 1632 als Schulrektor zu Stadthagen starb (vgl. Strieder XVII [1819] s. v.). Die frühesten Einträge dürften wohl alle aus Stadthagen stammen; unter diesen scheinen auf der dreizehnjährige (und bereits 1601 verstorbene) Graf Julius zu Holstein-Schaumburg sowie die im Weserland begüterte Familie von Klencke, deren Mitglieder Ludolf, Wilken und Theodor sich mit lateinischen Sentenzen und einem ganzseitigen Wappen eintragen; außerdem Heinrich Henekius, 1583-1617 Stiftspfarrer von Obernkirchen, und Johann von Berinchusen (Berninghausen), später Rektor zu Helmstedt. Die Einträge des Jahres 1599, zumeist in Hannover oder Helmstedt entstanden, stammen u. a. von den Medizinern Jakob Horstius (1537-1600), seit 1584 Professor in Helmstedt, und seinem Sohn Heinrich Adolf (1569-1632), später Stadtphysikus zu Torgau. Ein besonders charmantes Blatt steuert der Stadthagener "artis pharmaceuticae amator" Heinrich Weber bei: auf einem Totenschädel hockt ein Seifenblasen produzierender Putto, dessen Mantel sich im Rauch bläht. Ins Jahr 1601 fallen viele Eintragungen aus Quedlinburg, darunter Johann von Kostitz (1541-1611), fürstlich sächsischer Geheimrat und Turmprobst zu Merseburg, sowie die jungen Grafen Heinrich Wolrad (1590-1641) und Christoph Ludwig zu Stolberg und Wernigerode (1595-1619). Während das mehrzeilige Horazzitat des Elfjährigen (etwas unpassend die Ode "Eheu fugaces labuntur anni" bemühend) in sorgfältigen Antiqualettern geschrieben ist, verrät die über den bloßen Namenszug gesetzte Phrase "Gratia gignit gratiam" des Sechsjährigen noch die Unsicherheit des Schreibanfängers. Weitere Widmungen stammen von Johannes Gerdangk (1573-1644), später Präbendarius der Stiftskirche zu Quedlinburg, und vom Helmstedter Pastor Werner Oporinus (1571-1643), der sich am handgefärbten blauen Wolkenkleistervorsatz mit zweiseitigen Betrachtungen (darunter Zitate aus Epicharmos und Simonides) einträgt und zur griechischen Sentenz "phaanteros ek nephelon" ("noch strahlender aus den Wolken") eine aus dem Nebel hervorbrechende Sonne hinzuskizziert. 1602 (wieder vorwiegend in Helmstedt und Hannover) kommen hinzu u. a. Heinrich Boethius (1551-1622), Professor der Theologie zu Helmstedt, der Jurist Johannes Hackelbusch (1598 ebenda bei Statius Borcholt promoviert), Wilhelm von der Wense (Bruder des Georg von der Wense, welcher in der Fruchtbringenden Gesellschaft "der Erste" war) und seine engen Verwandten Heinrich Hilmar von Münchhausen (1558-1617) mit den kleinen Söhnen Liborius (Börries) (1587-1646) und Philipp Adolf von Münchhausen (1593-1657). Außerdem trägt sich der oberwähnte Christoph Werner ein, der Stadthagener Griechischlehrer und als solcher Praeceptor der jungen Freiherrn von Münchhausen, der seinem Bruder das humanistisch gesinnte Euripides-Zitat widmet: "mé zóen met' amousías" ("Niemals unter Ungebildeten leben!", HF 676). 1604 trägt sich Lorenz Scheurl (1558-1613) ein, Professor der Theologie sowie Pastor und Generalsuperintendent zu Helmstedt (vgl. ADB 31, 155f.), 1606 folgt u. a. Christian Hasthaejus, Dr. phil. et med., der 1609 in Hildesheim eine "Kurtze Pest Ordnung" publizieren sollte. Im Jahr 1607 ergattert Werner die Eintragungen der drei ältesten Söhne des Herzogs Franz II. von Sachsen-Lauenburg, nämlich die jungen Herzöge Franz Julius (1584-1634, kaiserlicher Kammerherr unter Ferdinand II.), Julius Heinrich (1586-1665, Feldmarschall in der Schlacht am Weißen Berg, Herr auf Schlackenwerth und Freund Wallensteins) und Ernst Ludwig von Sachsen (1587-1620); außerdem die Braunschweiger Patrizier Melchior und Tilo von Vechelde, jeweils mit schöner deutscher Sentenz. Am 27. April 1608 trägt sich dann der Hannoveraner Offizier Bartold Knaust (1676-1642) ein, seit eben zwei Wochen Stadthauptmann und später Erretter der Stadt im Dreißigjährigen Krieg. Hier steuert er ein schönes Wappen sowie den Sinnspruch bei: "Frisch und frolich dran, mitt geluck und freuden davon". - Hübsches humanistisches Freundschaftsalbum der norddeutschen Spätrenaissance mit mehreren Vertretern der lokalen Gelehrsamkeit, Politik und des Adels, nicht selten in sehr jugendlichem Alter. Gesamtverlistung der Eintragungen auf Anfrage. (mehr)
 

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2 (Bartsch, Zacharias). Wappen Buch Darinen aller Geistlichen Prelaten Herre[n] und Landleut auch der Stett des löblichen Fürstenthumbs Steyer Wappen und Insignia, mit ihren farben, nach ordnung, wie die im Landthauss zu Grätz angemahlt zu finden. Graz, Zacharias Bartsch, (1567). Rot-schwarz gedr. Titel mit Holzschnittvignette, (12) SS., 1 w. Bl., Widmungsblatt mit Wappenholzschnitt, 157 (statt 168) Wappentafeln in Holzschnitt, 1 w. Bl. (B1), damit zus. 167 (statt 176) Bll. Durchgehend zeitgenössisch koloriert. Zeitgenöss., stärker lädierter brauner Samteinband. Dreiseitiger ziselierter Goldschnitt. 4to.
  € 8.500
Schönes, durchgehend (auch am Titel und in der Widmung) zeitgenössisch leuchtend koloriertes Exemplar von Bartschs steiermärkischem Wappenbuch mit den Wappen adeliger Familien und mehrerer steirischer Städte und Klöster. "Bedeutendstes Werk [...] Die Originalvorlage bedfindet sich im Steirischen Landesarchiv" (Durstmüller). Der evangelische Formschneider Bartsch hatte seine Grazer Offizin 1563 eröffnet, wurde aber 1578 wegen einer Zensurangelegenheit verhaftet und starb im folgenden Jahr. Das Wappenbuch, sein Hauptwerk, zählt zu seinen wenigen selbständigen Arbeiten. - Wie stets etwas inkomplett: Es fehlen die 11 Wappentafeln Stubenberg, Stubenberg zu Wurmberg, Lembach, Staudacher, Zollner, Jöbstl, Khuen von Belasi, Strassfelder, Wülfferstorffer und Spitzen sowie der Alternativkarton Teuffenbach zu Mairhofen. Einband stärker berieben; Ecken, Kanten, Gelenke und Kapitale bestoßen. Die Bindung gelegentlich gelockert; vereinzelt unbedeutend wasserrandig und gegen Ende wurmspurig. Am Titel hs. Verfasservermerk des 18. Jhs.; Kaufvermerk "20 fl." am Innendeckel; ebendort sowie an den Vorsätzen alte Bibliothekssignaturen. Von großer Seltenheit: Im VD 16 nur 2 Exemplare nachgewiesen (BSB und ÖNB); seit 1950 nur ein einziges Exemplar auf Auktionen (ebenfalls incpl.); die Faksimile-Ausgabe von 1893 dagegen verbreitet. (mehr)
  ¶ VD 16, B 617. Durstmüller I, 77 (mit Abb.; falsch: "162 Holzschnitte").
 

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Das Originalmanuskript der Nationalhymne Hawaiis, vom König signiert
3 Berger, Henri, Komponist (1844-1929). Eigenh. Musikmanuskript mit Namenszug im Titel ("H. Berger"). Lahaina, 6. XI. 1875. 1 S. Vier zweizeilige Systeme mit zusammen 16 Takten und drei Strophen unterlegtem Text auf Hawaiianisch. Folio.
  € 15.000
Eigenhändige Niederschrift der im Jahr zuvor von Berger komponierten und bis heute gültigen hawaiischen Nationalhymne. Das vorliegende Manuskript der "Hymn of Kamehameha I", zu der König David Kalakaua (1836-91) selbst den Text verfaßte und die heute als "Hawai'i Pono'i" bekannt ist, wurde von ebendiesem eigenhändig signiert und datiert. Der letzte männliche Monarch des hawaiischen Königreiches zeichnet hier als "David M. Kahanonesi, Re Kai Hanola". - Der aus Berlin stammende Musiker Heinrich Berger war 1872 vom preußischen König auf Bitte des Herrschers der Inselgruppe nach Hawaii gesandt worden, um dort die Royal Hawaiian Band zu einem professionell agierenden Ensemble zu formen. Berger war der königlichen Familie freundschaftlich verbunden, blieb bis zum Jahre 1915 Kapellmeister der Royal Hawaiian Band und erwarb sich bleibende Verdienste um die Aufzeichnung traditioneller hawaiianischer Musik.- Etwas fleckig, in den Rändern auch gebräunt. Winziger Einriß unten links. (mehr)
 

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4 Bernard de Gordon. Lilium medicinae [und andere medizinische Texte]. Pergamenthandschrift. [Südfrankreich], 1332. Altfranzösische Textualis (braune Tinte) auf Pergament von der Hand des Magister Petrus Rastellus. 203 (statt 206?) Bll.: 1[7] (statt 8, fehlen Bl. VI und der Großteil von VIII), 2-23[8], 24[6] (statt 8, fehlen VII und VIII), 25[8], 26[3] (2+1), 27[3] (?; fehlt der Großteil von III). Ca. 40-60 Zeilen, mit Blei regliert (ca. 115 x 63 mm). Durchgehend rubriziert, mit einzeiligen Initialen und Kapitelanfängen in rot, zwei- bis vierzeilige Lombardinitialen in rot und blau. Einige Kustoden rechts der Mitte am unteren Seitenrand des jeweils letzten Lagenblatts verso. Es fehlen wenigstens drei Blätter, der Unterrand der Bll. 7 und 204; Bl. 6 durchschnitten; zahlreiche originale Anränderungen gelockert (in wenigstens acht Fällen ganz, in weiteren sieben zum Teil verloren); einige zeitgenöss. Marginalien angeschnitten; vereinzelt ausgebleicht aber durchgehend lesbar. Französischer Halblederband des späten 18. Jhs. mit marmoriertem Deckelbezug (Rücken fehlt; stärker berieben und bestoßen). Dreiseitiger gesprenkelter Rotschnitt. 8vo (148 x 88 mm).
  € 185.000
Einer der frühesten Textzeugen für eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Werke des Mittelalters. Bernard de Gordons systematisches Handbuch stellt im Wesentlichen eine Kompilation aus Werken der arabischen Medizin dar, die der seit 1283 an der Universität von Montpellier Lehrende um eigene Beobachtungen ergänzte. Der Text war bis ins 17. Jh. hoch geschätzt und durch Handschriften und Drucke in französischer, deutscher, spanischer, englischer, irischer und hebräischer Sprache weit verbreitet. In seinen Canterbury Tales zählt Geoffrey Chaucer den Autor unter die drei modernen Autoritäten der westlichen Medizin. - Inhalt: Zu Beginn kurze medizinische Texte über Pillen, Darmreinigung, Ungleichgewicht der Säfte, Erklärungen der in medizinischen Rezepten verwendeten Gewichtsmaße und Substanzbezeichnungen. Textverlust zu Beginn (Verlust der Anränderungen oben und außen; incipit: "veri tulli et contra vitia pectoris"), darunter "De pilluris, Pillule ante cibum" (Bl. 1; vgl. Thorndike/K., Sp. 1049); "Colere hec sunt medicine digestive simplices. Viola rosa" (Bl. 2; vgl. Thorndike/K., Spp. 1698 und 862), Masalwab (Mesue) zugeschrieben; Kuren für Magenbeschwerden und Nasenbluten (Bl. 7; in anderer Hand; fehlt weitgehend). Bll. 8-16 bringen eine Liste von 99 Leiden oder gewünschten Körperzuständen mit Angabe der entsprechenden Heilmittel, im Rand in roter Tinte arabisch durchnumeriert (darunter die Erweckung und Dämpfung der Lust, oder die Beförderung von Haarwuchs mittels der Asche grüner Echsen: "Aurora. Haec capillos generant. Cinis locerte viridis..." (nicht bei Thorndike/K). - Daran schließt sich der Haupttext an: "Incipit lilium medicine a magistro Bernardo de Gordonio conditum", Vorwort inc. "Interogatus a quodam socrate [...] Inchoatus autem est liber iste cum auxilio dei magni in preclaro studio montis pesulani post annum xxiii relecture. Anno domini m.ccc.iii mense julii" (Bl. 16); Kapitelverzeichnis zu Teil 1 (Bl. 16r/v). Teil 1, Kapitel 1 inc. "Febris est calor" (Bl. 16v); Teil VII, Kapitel 24 expl. "sine ista factum est nichil. Et libellus de graduatione", danach zweiteiliges Kolophon und Verzeichnis der Anzahl Blätter zu jedem Teil (Bl. 200r). - Darauf folgt Bernards "De conservatione vite", aus Teil 3, überschrieben "Libellus de pulsibus", inc. "Pulsus est nuncius", expl. "constrictio sicut motus contrarii" (Bl. 200v; vgl. Thorndike/K., Sp. 1150). Zuletzt: Walter Agilon, "Tabula de pulsibus", inc. "Cum x sint genera pulsum", expl. "pulsa currus naturalis significat ablationem" (von anderer Hand, Bll. 201-202v; zu Agilon [Montpellier, 1. H. 13. Jh.] vgl. E. Wickersheimer, Dictionnaire biographique des medecins en France au Moyen Age [1936], S. 170-173); am letzten Blatt Fragment eines medizinischen Textes von anderer Hand, inc. "Ars medicinorum". - Das "Lilium medicinae", verfaßt zwischen 1303 und 1305 in Montpellier, ist das Hauptwerk des dortigen Professors Bernard de Gordon. Der Ruf der Universität als erste medizinische Schule Europas beruhte zu keinem geringen Teil auf den Leistungen Bernards, der sich - wie alle seine Zeitgenossen - stark auf arabische und jüdische Mediziner stützte. Sein "Lilium" stellt eine umfassende Abhandlung über die Gebrechen und Krankheiten des gesamten menschlichen Körpers dar und enthält eine der frühesten Erwähnungen von Brillen zur Sehschärfenkorrektur sowie einen Hinweis auf mögliche Beteiligung der Nerven bei der Auslösung der Muskelkontraktion. Das Ansehen, das Bernards Abhandlung genoß, ist ersichtlich aus der großen Zahl von 53 Abschriften, die Demaitre ermittelt hat; nur drei davon tragen ein früheres Datum als die vorliegende. - Offensichtlich Arbeitsexemplar im Taschenformat mit zahlreichen beigegebenen handbuchartigen Werken. Trotz des geringen Formats mußten vor der Niederschrift einige Blätter, wie sonst eher bei Folioformaten üblich, am Rand mit Pergamentstreifen auf das gewünschte Format ergänzt werden. Text durchgehend mit roten Initialen und Numerierungen erschlossen. Im Kolophon Bl. 200 signiert von Petrus Rastellus und der Abschluß datiert mit 21. Juli 1332: "Iste liber est magistri petri rastelli quem manu propria scripsit et perfecit anno domini I[ncarnationis] m.ccc.xxxii die xxi in me[n]se iust lune ante madalenam". Der Befund an Schreibstoff und Schrift weisen auf südfranzösischen Ursprung hin. Wahrscheinlich kompilierte Rastellus, der den akademischen Titel eines Magisters führte, die Handschrift zum eigenen Gebrauch. Später im Besitz der Kartause Macourt bei Valenciennes, wie am letzten Blattsteg vermerkt: "Liber domus beate marie de macourt ordinis carthusiensis iuxta val cameracensis dyocesis/Carthus/" (hs. Bibliotheksvermerk des späten 14. Jhs. mit Signatur "T.20"). Die Bibliothek des 1288 gegründeten Klosters (1297 nach Macourt übersiedelt) erfuhr bei der kalvinistischen Plünderung 1566 und bei der Auflösung 1790 ihre größten Verluste. Am 11. Dezember 1810 von Alexander Serdobin Sarmatic in Paris erworben, als dieser im Gefolge des russischen Botschafters Fürst Alexander Kurakin in Frankreich weilte (sein eigenh. Kaufvermerk auf Bl. 201). (mehr)
  ¶ Vgl. L. E. Demaitre, Doctor Bernard de Gordon. Professor and Practitioner (Toronto 1980). L. Thorndike/P. Kibre, A Catalogue of lncipits of Medieval Scientific Writings in Latin (London 1963).
 

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Das erste chinesische Neue Testament
5 [Biblia sinica - NT]. [Neues Testament. Aus dem Griechischen von Richard Morrison]. [Guangzhou, für den Übersetzer, 1814]. 8 Bde. (148) SS. (90) SS. (138) SS. (114) SS. (128) SS. (142) SS. (122) SS. (196) SS. In chinesischer Type von Holzblöcken gedruckt. Originalbroschuren mit gedr. Deckelschildchen. In originaler Faltkassette aus grünem Leinen mit Deckeltitel "Le noveau Testament / Pa Chiniesiska". 8vo.
  € 15.000
"The editio princeps of the N.T. in Chinese" (Darlow/M.). Erste Ausgabe des Neuen Testaments in chinesischer Sprache, in 2000 Exemplaren aufgelegt. Vollständige Exemplare in allen acht Bänden sind von größter Seltenheit. Richard Morrison (1782-1834) war der erste protestantische Missionar in China. Gemeinsam mit Joshua Marshman gilt er als Vater der chinesischen Bibel. Vor seiner Abreise nach Asien hatte er die Sprache bei Yong Sam-Tak gelernt. Seine Gesamtübersetzung des Neuen Testaments ins Chinesische bildet den Schlußstein seiner Pionierleistungen in der Evangelisierung des "Reichs der Mitte". - Aus der Sammlung des russischen Diplomaten Jan Pieter van Suchtelen (1751-1836) mit seinem Besitzstempel "Bibliothecae Suchtelen". Nachdem er im russisch-schwedischen Krieg von 1808/09 als General gewirkt hatte, wurde Suchtelen 1812 Bevollmächtigter des russischen Zaren Alexander I.; er verhandelte und unterzeichnete den Frieden von Örebro. Bis zu seinem Tod 1836 diente er mehrfach als russischer Botschafter am schwedischen Hofe. - Tadellos erhalten, in den acht Originalumschlägen mit den jeweiligen Titelschildchen. (mehr)
  ¶ Darlow/Moule 2459. Wylie, Memorials of Protestant missionaries to the Chinese, 4. Milne, Retrospect, 267.
 

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Exemplar der Luxusausgabe
6 Brand, [Johann] C[hristian]. Zeichnungen nach dem gemeinen Volke besonders Der Kaufruf in Wien. Etudes prises dans le bas peuple et principalement Les Cris de Vienne. Nach dem Leben gezeichnet v. C. Brand Professor der bildenden Künste. Wien, T[ranquillo] Mollo, [nach 1798]. Gest., kol. Titel, 45 gest. Tafeln im Originalkolorit in getönten Rahmen. Halblederband der Zeit mit Marmorbezug, hübscher Rückenvergoldung, Resten eines goldgepr. Rückenschildchens und neuerem goldgepr. rotem Deckelschildchen. Folio (348:474 mm).
  € 35.000
Luxusexemplar der dritten, umfangreichsten Ausgabe der prächtigen Berufsdarstellungen; die Kupfer gestochen von C. und Fr. Brand, J. Feigel, C. Conti, J. E. und S. Mansfeld, Quirin Mark, J. Mössmer, S. Schytz u. a. Dargestellt sind die damals im Volk verbreiteten Berufe und fliegenden Händler, wie man sie auf den Wiener Märkten antreffen konnte: Bretzenbäck, Hühnerkrämer, Wurstverkäufer, Perspektivhändler, Bierwirtsjung, Kupferstichhändler, Lorbeerblätterkrämer, Postbote, Seilerjunge, Teppichkrämer, Vogelhändler, Nachtwächter, Limonenverkäuferin, Wäscherin, Blumenstraußmädchen, Schneckenweib, Huthändlerin, Müllerin, Milchweib, Stubenmädchen und viele mehr. Die Vorlagen zeichnete der Wiener Maler und Kupferstecher Johann Christian Brand (1722-95), der als Kammermaler und später als Professor an der Kunstakademie in Wien wirkte. Das Werk war zuerst 1775-76 mit 40 Tafeln, als zweiter Druck der Erstausgabe 1780 ebenfalls mit 40 Tafeln und dann 1796 mit nur 38 Tafeln erschienen, zu denen dann in der dritten Auflage noch sieben neu entworfene Tafeln hinzukamen. Diese Ausgabe erschien in einer unkolorierten und einer kolorierten Version sowie in der vorliegenden Luxusausgabe, die zusätzlich farbig getönte, getuschte Umrahmungen und eine besonders feine Kolorierung aufweist. - Ecken bestoßen; Kapitale lädiert. Innen zu Beginn im breiten weißen Rand unbedeutend fingerfleckig; die meist nur gebräunt anzutreffenden Tafeln hier sehr sauber und in frischen, hübschen Farben koloriert; das Velinpapier ungewöhnlich frisch. Herausragendes Exemplar. (mehr)
  ¶ Beall Ö 5. Kaut 6. Vgl. Lipperheide Ebb 1. Colas 423. Hiler 110. Massin 219.
 

In meine Auswahl

7 Brod, Max, Schriftsteller (1884-1968). Korrekturfahnen von "Johannes Reuchlin und sein Kampf" mit eigenh. Korrekturen und Randbemerkungen. O. O., [April 1965]. 169 Bll. Gr.-schmal-folio (490:140 mm).
  € 1.500
Brods Biographie des Humanisten Johannes Reuchlin (1455-1522) war 1965 bei Kohlhammer in Stuttgart erschienen. - Jeweils mittig gefaltet und teils mit kleinen Randläsuren. (mehr)
 

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8 Brouchuisius, Daniel. Secreta Alchimiae Magnalia D. Thomae Aquinitatis, de corporibus supercoelestibus, & quod in inferioribus inveniantur, quoque modo extrahantur: de lapide minerali, animali, & plantali. Item thesaurus alchimiae secretissimus, quem dedit fratri suo Reinaldi. Accessit et Ioannis de Rupescissa liber lucis, ac Raymundi Lullii opus pulcherrimum [...]. Köln, Nikolaus Bohmbargen, 1579. 60 SS. Mit kl. Holzschnittdruckermarke am Titel und 2 blattgr. Textholzschnitten. Späterer Pergamentband. 4to.
  € 12.500
Erste Ausgabe eines der seltensten alchimistischen Bücher überhaupt, enthaltend drei Grundtexte der mittelalterlichen Alchimie: den "Tractatus de lapide philosophico" (laut Ferchl dem Thomas von Aquin nur untergeschoben), den "Liber lucis" des Johannes de Rupe sowie die "Clavicula" des Raimundus Lull. Die beiden Holzschnitte zeigen den von Johannes de Rupe beschriebenen Ofen. "Brouchuisius, auch van Broikhuizen, war Arzt, mehr ist nicht bekannt" (Brüning). - Etwas gebräunt bzw. braunfleckig. Am Titel zeitgenöss. hs. Segensspruch mit Besitzvermerk ("Martinus Prantst..."; unten etwas beschnitten). Durchgehend mit hs. Anstreichungen und sehr umfangreichen Marginalien von mindestens drei Händen des 16. und frühen 17. Jahrhunderts; auch eine der Ofendarstellungen ausführlich annotiert. Letzte Bll. mit kl. Randläsuren (fachmännisch angerändert; teils geringer Textverlust an den hs. Marginalien). International seit 1950 ein einziges Exemplar auf Auktionen nachweisbar (Z&K 1998, mod. Pappband, fleckig: DM 13.500). (mehr)
  ¶ VD 16, T 1030. Ferguson I, 127 (Anm.). Schmieder 139. Ferchl 40. Brüning I, 0517.
 

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"Über Kortüm freilich war mir ein Licht aufgegangen"
9 Burckhardt, Jacob, Kulturhistoriker (1818-1897). Eigenh. Brief mit U. ("JBurckhardt"). Basel, 16. VI. 1879. 3 SS. auf Doppelblatt. Gr.-8vo.
  € 4.500
An seinen ehemaligen Studenten, den Althistoriker, Altphilologen und Byzantinisten Heinrich Gelzer (1847-1906), dem er für einen Vortrag dankt und den er als Nachfolger Friedrich Nietzsches (1844-1900) als Professor für griechische Sprache und Literatur an die Basler Universität ziehen möchte: "[...] Es sind wesentliche neue Anschauungen in wahrhaft überzeugendem u glänzendem Zusammenhang ausgesprochen. Es sind endlich wieder Resultate, nachdem man in Schriften vieler guter u redlicher Leute immer nur Material, d. h. Schutt u. resp. Staub hat besehen u. schlucken müßen. In den Zeiten da ich noch Culturgesch[ichte] des Mittelalters las u. bald diesen bald jenen Byzantiner durchsah, dämmerte mir hie u. da Aehnliches, aber ich steckte noch im allgemeinen Vorurtheil drin. Über Kortüm freilich war mir ein Licht aufgegangen seit ich in seinem 'Mittelalter' (II, p. 506) die famose Stelle kannte, wo es heißt: Byzanz nahete raschen Schrittes seinem Verfall u. Untergang - worauf aber nur 6 Zeilen später wieder von einem 'langsamen Todeskampf' die Rede ist. Unsere Viri eruditi arbeiten wohl meist recht fleißig, aber schreiben thun sie manchmal gar zu schludrig u. das Geschriebene noch einmal zu überlesen, ehe es an den Setzkasten geht, ist noch immer nicht allgemeine deutsche Sitte [...] Wie gerne ich Sie bei Nietzsche's Abdication hier gehabt hätte, können Sie denken, aber ich verdenke es Ihnen nicht daß Sie in Ihrer jetzigen deutschen Laufbahn bleiben, aus welcher man ja nur einmal austreten kann, dann jedoch für immer. Wir hoffen nun an Jacob W. einen künftigen und redlichen Collegen zu erhalten, aber Sie wären uns natürlich gar viel erwünschter gewesen. Freilich ahne ich, daß Sie eine Fülle großer Aufgaben historischer Art vor Augen sehen, bei welchen Ihnen die hiesige Stellung eines Professors der Philologie gar zu hinderlich gewesen sein würde [...]". - Heinrich Gelzer hatte fünf Semester bei Jakob Burckhardt studiert. Nach der Promotion im Jahre 1869 war er einige Zeit in Basel Gymnasiallehrer und später Privatdozent, ab 1873 dann außerordentlicher Professor in Heidelberg, 1878 kam er auf den Lehrstuhl für Klassische Philologie und Alte Geschichte nach Jena. Nietzsche legte nach zehn Jahren als Professor für griechische Sprache und Literatur an der Universität Basel 1879 sein Lehramt nieder; Nachfolger Nietzsches wurde Jacob Wackernagel (1853-1938). - Mit einigen kleinen Randeinrissen. (mehr)
  ¶ Gedruckt in der Briefausgabe, Band VII (1969), Nr. 812, S. 32f.
 

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10 Castro, Dom João de & de Carvalho, Antonio Nunes. Roteiro em que se contem a Viagem que fizeram os Portuguezes no Anno de 1541, partindo da nobre Cidade de Goa atee Soez, que he no fim, e Stremidade do Mar Roxo. Com o sitio, e pintura de todo o Syno Arabico [...] tirado a luz pela primeira vez do manuscrito original, e acrescentado com o Itinerarium Maris Rubri [...]. Paris, Baudry & Barrois, 1833. (6), LIV, IX, 334, (2) SS. Mit gest. Portraitfrontispiz Castros, gest. Portrait von Estevão da Gama und Faltkarte der arabischen Küste (510 x 395 mm; Einriß am rechten Rand geschlossen). Zeitgenöss. marmorierter Halblederband mit goldgepr. Rückentitel (Gelenke berieben). 8vo. Mit Atlasband: 16 zumeist handkolorierte Karten und Ansichten. Zeitgenöss. marmorierter Pappband mit grünem Lederrücken (berieben). Folio (305 x 425 mm).
  € 7.500
Sehr seltener Bericht dieser im 16. Jahrhundert unternommenen Seereise um die arabische Halbinsel, vorliegend mit dem fast nie gemeinsam auftretenden Atlasband. Erster vollständiger Druck, nach den handschriftlichen Originallogbüchern Castros ediert. Illustriert mit 16 prächtigen, großformatigen Faltkarten und Ansichten der Küste (zumeist jew. 57 x 42 cm, handkoloriert mit Vignetten und Miniaturansichten der Städte und ihrer Bewohner). Tafel XV zeigt den Hafen von "Toro", wohl die antike Stadt Aelana nahe dem heutigen Aqaba. Die Ansicht des kleinen Dorfes mit türkischen Soldaten, die Christen angreifen, dürfte die früheste Abbildung dieses Abschnitts der arabischen Küste darstellen. - Castros Manuskript berührt sowohl Angelegenheiten der Schiffahrt wie auch Themen von allgemeinerem Interesse: zum Beispiel widmet er sich ausführlich der Widerlegung der Theorie, dass das Rote Meer tatsächlich rot sei, indem er täglich Wasserproben zur Untersuchung entnimmt. Joaos Reise führte ihn das ganze Rote Meer hinauf; er landete sowohl an der afrikanischen wie der arabischen Küste und erreichte schließlich Suez. Die verschiedenen Häfen, die er unterwegs ansteuerte, werden in seinem Bericht lebhaft geschildert. Wie der Katalog der British Library verzeichnet, wurde das Originalmanuskript um £60 von Sir Walter Raleigh angekauft. - Aus der Bibliothek des portugiesischen Staatsmanns Antonio Capucho mit seinem gest. Exlibris am vorderen Innendeckel. Selten; kein Exemplar auf ABPC verzeichnet. (mehr)
  ¶ Welsh 4780. Catalogue of the manuscript maps, charts and plans [...] in the British museum, S. 386. Scholberg, Bibliography of Goa & the Portuguese in India, DC7. Avila Perez 1562 ("rara").
 

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Widmungsexemplar
11 Chopin, Frédéric, Komponist (1810-1849). Scherzo Pour Piano. Dédié à Adéle de Furstenstein. Op. 31. Paris, Maurice Schlesinger, [1837]. Gest. Titel und 19 SS. Geheftet. Folio. In Halblederkassette mit goldgeprägtem Rückentitel.
  € 58.000
Widmungsexemplar der ersten Ausgabe von einem der bekanntesten Werke Chopins. Vom Komponisten am Titel eigenhändig gewidmet, "à Mlle C. Porte. | Chopin". - Die Adressatin war Professorin am Conservatoire de Paris und unterrichtete u. a. die Pianistin Caroline Montigny-Rémaury. - Unbedeutender Wasserrand in der linken oberen Ecke, sonst sauber und unbeschnitten. Mit dem Stempel des Verlegers Maurice Schlesinger am Titel. - Widmungsexemplare Chopins sind von noch größerer Seltenheit als eigenhändige Briefe oder Kompositionen desselben; kein vergleichbarerer Nachweis auf Auktionen der letzten Jahrzehnte. (mehr)
  ¶ Platzmann 118.
 

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Liberation of Belgrade
12 Churchill, Winston S., Staatsmann (1874-1965). Ms. Brief mit eigenh. U. Whitehall, 8. X. 1944. 1 S. 4to.
  € 7.500
An Ivan Subasic (1892-1955), den Premierminister der jugoslawischen Exilregierung: "I have received your letter of October 7 enclosing the text of the speech which His Majesty King Peter proposes to make on the liberation of Belgrade. I request Your Excellency to inform His Majesty that I consider the speech will be admirably suited to this great occasion [...]". - Wenige Tage nach diesem Schreiben reiste Churchill zur Konferenz von Moskau, um mit Stalin über die Zukunft der Länder Ostmittel- und Südosteuropas zu beraten. Rumänien etwa wurde zu 90% Rußland zugesprochen und zu 10% Großbritannien, Griechenland hingegen genau umgekehrt. Jugoslawien wurde zur Hälfte Großbritannien und zur Hälfte Rußland zugeschlagen, wobei Churchill sich für die Wiedereinsetzung der Monarchie aussprach, Stalin jedoch dagegen, Churchill aber darin zustimmte, daß eine Volksabstimmung in Erwägung zu ziehen sei. Ironischerweise ging die Geschichte jedoch bekanntlich andere Wege: König Peter II. wurde von Tito entmachtet und zur Abdankung gezwungen; das daran anschließende Regime war zwar zu 100% kommunistisch, aber gehörte bzw. tendierte weder zu Moskau noch zu London. - Auf Briefpapier mit gepr. Vignette des Premierministers; im linken Rand gelocht (keine Textberührung) und beidseitig gestempelt; einige kleine Stecknadeldurchstiche am linken oberen Rand. (mehr)
 

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13 Da Vinci, Leonardo. Trattato della pittura [...]. Nuovamente dato in luce, colla vita dell'istesso autore, scritta da Rafaelle du Fresne [...] & il trattato della statua di Leon Battista Alberti. Neapel, Ricciardo, 1733. 2 Teile in einem Band. (8), 115 SS. (8), 55, (8) SS. Titel in rot und schwarz gedruckt. Mit 2 gest. Portraits, gest. Titelvignette, 6 gest. Kopfstücken, 2 gest. Schlußvignetten und 6 gest. Initialen sowie 71 Textkupfern. Halbpergamentband der Zeit mit Buntpapier-Deckelbezug sowie goldgepr. Rückentitel und -vergoldung. Folio (250:370 mm).
  € 8.500
Erste italienische Ausgabe. Leonardos berühmtes kunsttheoretisches Werk über die Malerei blieb mehr als 150 Jahre ungedruckt und zirkulierte in mehreren Abschriften, bis es endlich 1651 erschien. Als Vorlage dienten dem Herausgeber du Fresne zwei Handschriften. "Der Text enthält dementsprechend auch nur eine unvollständige Redaktion [...], trotzdem wurde diese schöne Ausgabe Grundlage für etwa zwanzig spätere Drucke bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts" (Schlosser). - Der zweite Teil enthält L. B. Albertis Traktat "Della statua". Albertis Schriften, unter anderem auch das vorliegende Werk, "sind die erste literarische Formulierung der ästhetischen und wissenschaftlichen Theorien der Renaissance auf den Gebieten der Architektur, der Malerei und der Bildhauerkunst" (Carter/Muir). - Teils unbedeutend braunfleckig. Minimale Wurmspuren am Rücken; Kanten stellenweise bestoßen. Hübsches, unbeschnittenes Exemplar im originalen italienischen Halbpergamenteinband. (mehr)
  ¶ Verga 7. Cicognara 233. Schlosser 144. Carter/Muir 28 (Anm.).
 

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14 Droste-Hülshoff, Annette von, Schriftstellerin (1797-1848). "Das alte Schloß". Eigenhändiges Gedicht. [Meersburg, wohl Anfang 1842]. 1½ SS. Gr.-8vo.
  € 25.000
Fünf achtzeilige Strophen, unter dem Gedicht von der Hand Levin Schückings der Name der Verfasserin "Annette Freiin Droste zu Hülshoff". Diese Reinschrift des Ende 1841/Anfang 1842 entstandenen Gedichts fertigte die Dichterin für den geplanten Druck an; Anfang Februar 1842 sandte Schücking das Gedicht (neben anderen) an das "Morgenblatt", das es allerdings nicht druckte. "In dem Schloß haus' ich am Berge, | Unter mir der blaue See, | Höre nächtlich Koboldzwerge, | Täglich Adler aus der Höh', | Und die grauen Ahnenbilder | Sind mir Stubenkameraden | Wappentruh' und Eisenschilder | Sopha mir und Kleiderladen [...]". - Historisch-kritische Ausgabe Bd. I.1, S. 85 (mit abweichendem Gedichtanfang "Auf der Burg haus' ich am Berge"); das Autograph ist dort im Kommentar (Bd. I.2, S. 893) als "H2" verzeichnet. - Von großer Seltenheit. (mehr)
 

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Cabaret Fledermaus
15 Friedell, Egon, österr. Schriftsteller (1878-1938). "Geschichte der 'Fledermaus'". Eigenh. Ms. mit Namenszug im Titel. [Wohl Wien, Ende 1928]. 2¼ SS. auf 3 Bll. In Bleistift. Gr.-4to.
  € 9.500
Originalmanuskript des vielabgedruckten, klassischen Textes, in dem der Autor die Geschichte des legendären Kabaretts der Wiener Werkstätte referiert, zu dessen Glanz Friedell selbst seit 1908 als künstlerischer Leiter und Hauptautor einen wesentlichen Beitrag geliefert hatte. Nach dem Bankrott des Financiers und Werkstättengründers Fritz Wärndorfer (1867-1939) "erschien ein Fachmann, der duftige kleine Operetten wie 'Putzi, sei doch nicht so fad' und kecke kleine Szenerien wie 'Die Geheimnisse eines Bidets' spielte. Aber auch dieser erstklassige Fachmann machte Pleite und die Fledermaus wurde ein Revuetheater, worin schlankbeinige Mädchen auftraten, die man an den Tisch bitten konnte. Ich habe auch gegen diese künstlerische Entwicklungsphase nichts einzuwenden. Wenn nur der Wein sich nicht so verschlechtert hätte." - Mit mehreren Einschüben und Textkorrekturen des universal talentierten "genialen Dilettanten". Tadellos erhalten. (mehr)
  ¶ Erstveröffentlicht 2. 12. 1928 im Neuen Wiener Journal (Vorabdruck aus 'Die Wiener Werkstätte 1903-1928', hrsg. v. Mathilde Flögl, Wien 1929).
 

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16 Furtwängler, Wilhelm, Dirigent (1886-1954). 3 eigenh. Musikmanuskripte. O. O., um 1900. Zusammen 68 Bll. Meist folio und auf liniertem Notenpapier.
  € 15.000
Bisher unbekannte, sehr frühe Skizzen zu Quartetten und einem Werk für Orchester und Chor. Ein Manuskript bezeichnet "W. Furtwängler 1900". - Größtenteils in Bleistift und meist mit Streichungen und Korrekturen; einige Bll. mit stärkeren Randschäden. (mehr)
 

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17 George, Stefan, Dichter (1868-1933). Eigenh. Postkarte mit U. [Berlin, 7. XI. 1898]. ½ S. Qu.-8vo. Mit eh. Adresse.
  € 2.500
An den Verleger Georg Bondi (1865-1935), den George im Frühjahr des Jahres im Hause Ludwig von Hofmanns in Rom kennengelernt hatte: "Geehrter Herr Dr! ich hoffe morgen (auch eine frühe stunde) ist Ihnen genehm | Ihr St. G.". - Einige Monate darauf, Anfang 1899, erschien dann Georges "Das Jahr der Seele" bei Bondi in erweiterter Neuauflage. - Papierbedingt etwas gebräunt. (mehr)
 

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Goethes Ring
18 Goethe, Johann Wolfgang von, deutscher Dichter (1749-1832). Großer Goldring aus Goethes Besitz: die ovale Glasgemme geschnitten von Angelica Facius, die Statuengruppe des Menelaus in der Villa Ludovisi darstellend. [Weimar, um 1826]. 19 x 15 mm. Dabei: Br. mit U. ("Goethe"). Weimar, 16. I. 1826. Tinte auf schwerem Papier, ca. 99 x 98 mm (auf Kartonträger aufgezogen; etwas fleckig).
  € 75.000
Sehr seltenes Beispiel eines Kunstwerks aus Goethebesitz auf dem Markt: eine Auftragsanfertigung durch die junge Weimarer Medailleurin und Gemmenschneiderin Angelica Facius. Die rätselhafte Statuengruppe, die auf der Gemme abgebildet ist, wurde früher als "Papirius und seine Mutter" gedeutet, aber auch als "Freundschaft", "Merope und Aegyptus", "Junger Senator und seine Mutter" und vieles andere (auf den ersten Seite seiner Studie "Die Gruppe des Künstlers Menelaos in Villa Ludovisi" [Leipzig 1870] führt der Archäologe Reinhard Kekulé nicht weniger als ein Dutzend Interpretationsversuche an). Bis zum Beginn des 19. Jhs. stand die Statue im Palazzo Ludovisi in Rom; Goethe besuchte den Palast mehrfach während seiner Italienreise 1786-87. In seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" beschreibt er sein schon 1767 beginnendes Interesse an Gemmen und erwähnt auch den Lehrsatz des Fachmanns Philipp Daniel Lippert: Obwohl "die Statuen und größeren Bildwerke Grund und Gipfel aller Kunstkenntnis blieben, so seien sie doch sowohl im Original als Abguß selten zu sehen, dahingegen durch Lippert eine kleine Welt von Gemmen bekannt werde, in welcher der Alten faßlicheres Verdienst glückliche Erfindung, zweckmäßige Zusammenstellung, geschmackvolle Behandlung, auffallender und begreiflicher werde, auch bei so großer Menge die Vergleichung eher möglich sei". Goethes Tagebücher, Briefe und Werke enthalten zahlreiche Hinweise auf Gemmen, und ebenso legt seine eigene Sammlung beredtes Zeugnis ab von einer lebenslangen Faszination vom Thema. In einem Brief an den deutschen Bildhauer Christian Rauch vom Februar 1832, einen Monat vor seinem Tod abgefaßt, erwähnt Goethe zum letzten Mal Gemmen schriftlich; auch nennt er dort die Künstlerin, die seinen Ring schuf: Angelica Bellonata Facius (1806-87). Diese begann ihre Lehre unter ihrem Vater, dem Weimarer Gemmenschneider Friedrich Wilhelm Facius (1764-1843), den sie bald übertraf. Goethe förderte die Künstlerin und stellte sie Christian Daniel Rauch (1777-1857) vor, in dessen Werkstatt sie 1827-34 tätig war. 1830 und 1832 stellte sie an der Berliner Akademie aus. Facius führte mehrere Auftragswerke für den Weimarer Hof aus, darunter Medaillen von Goethe, Schiller und Großherzogin Maria Pavlovna von Rußland und Sachsen-Weimar-Eisenach. - Der Ring gehörte später Heinrich Lempertz (1816-98), einem der größten Goethesammler. Die Beschreibung des Ringes in seinem Sammlungskatalog "Goethe im Mittelpunkt seiner Zeit" identifiziert das Motiv als "Philosoph und Schüler" und gibt an, der Stein sei von Friedrich Wilhelm Facius gekauft und von seiner Tochter Angelica geschnitten worden. Die Auktion der Sammlung Lempertz umfaßte 1460 Nummern; der Ring (Nr. 657) wurde von der Witwe des deutschen Kaufmanns Theodor Sölling erworben. Die vorhergehende Nummer, derselben Bieterin zugeschlagen und hier dem Ring beigegeben, war der von Goethe unterschriebene Brief an einen ungenannten Adressaten: "Man wünscht die kleinen Carneol- oder Chalcedonsteine, welche Herr Facius besitzt, zu sehen oder zu erfahren, wo dergleichen, zu Ringen geeignet, auswärts wohl zu haben wären") - offensichtlich das Schreiben, mit dem der Auftrag zur Anfertigung des Ringes eingeleitet wurde. (mehr)
  ¶ Slg. Lempertz: Goethe im Mittelpunkt seiner Zeit (Köln 1899), Nrn. 656f. Femmel/Heres, Die Gemmen aus Goethes Sammlung (Leipzig, 1977), S. 125. Haskell/Penny, Taste and the Antique (Yale, UP, 1998), S. 288. Thieme/B. XI, 181.
 

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19 Günderrode, Karoline von, Dichterin (1780-1806). "Morgenlicht! Morgenlicht". Eigenh. Gedichtmanuskript (26 Zeilen). O. O. u. D. [wohl 1804/05]. 1½ SS. Gr.-8vo. Auf grünem Papier mit etwas unregelmäßig beschnittenem Oberrand. Mit einer Beilage.
  € 35.000
Die "verschollene Fassung" (W. Morgenthaler III, 228) der berühmten, unter dem Titel "Des Knaben Morgengruß" bzw. "Des Knaben Abendgruß" überlieferten Gedichte. Der Kommentar der Historisch-Kritischen Ausgabe zitiert hierzu Max Büsing (S. 90f.): "Die erste Fassung des Morgen- und Abendgrußes (Morgenlicht! Morgenlicht! Mitternacht! Mitternacht!) steht auf einem an der Randseite beschnittenem weißen, die zweite auf einem glänzend grünen Bogen: das Papier ist dasselbe wie bei den Sonetten an Novalis". Es handelt sich demnach bei dem vorliegenden Blatt um die zweite Fassung des wohl um 1804/05 entstandenen Gedichtes, das 1899 erstmals von Ludwig Geiger (s. u., S. 182) veröffentlicht wurde und zu dessen Titel Morgenthaler anmerkt: "Der Titel 'Des Knaben Abendgruß', den auch Geiger (E = Erstdruck) verwendet, dürfte demnach auf X (= verschollener Textzeuge) zurückgehen". Da nun dieser, unser "verschollener Textzeuge", auch keinen Titel aufweist, liegt der Gedanke nahe, daß der Titel von Geiger selbst herrührt. - Beiliegend ein ms. Brief mit eigenh. U. Geigers v. 30. August 1909 an einen namentlich nicht genannten Adressaten, in dem er über den Nachlaß der mit nur 26 Jahren aus dem Leben geschiedenen Dichterin wie folgt berichtet: "[...] Den gesamten Nachlass der Karoline von Günderode habe ich vor etwa 15 Jahren erworben, habe ihn aber meiner Frau geschenkt, sodass ich keine Verfügung über diese Blätter habe. Ich denke mir, dass meine Frau Ihnen ein Blatt beilegt und ich erkläre hiermit ausdrücklich, dass es wenn auch nicht mit Karoline Günder[r]ode unterzeichnet, durchaus von ihrer eigenen Hand geschrieben ist. Allerdings muss ich bemerken, dass Sie den Inhalt des Blättchens nicht veröffentlichen dürfen, das Blatt selbst aber können Sie ruhig als Ihr Eigentum verwahren". - Provenienz: Frankfurter Privatbesitz, um 1894 Ankauf durch Ludwig Geiger, 1909 Geschenk an einen unbekannten Herrn. - Von größter Seltenheit. (mehr)
  ¶ Walter Morgenthaler (Hg.): Karoline von Günderrode. Sämtliche Werke und ausgewählte Studien. Historisch-kritische Ausgabe. Basel und Frankfurt a. M., Stroemfeld/Roter Stern, 1990. Bd. I. Texte. S. 388f. Bd. II. Varianten. S. 204f. Bd. III. Kommentar. S. 228f. Nachlaß, Nr. 60. Max Büsing: Die Reihenfolge der Gedichte Karolinens von Günderrode. Berlin, Univ. Diss., 1903, S. 90f. Ludwig Geiger: Ungedruckte Dichtungen von Karoline von Günderrode. In: Dichter und Frauen. Abhandlungen und Mittheilungen. Neue Sammlung. Berlin, Paetel, 1899. - Der handschriftliche Nachlaß zum dichterischen Werk umfaßt 66 Textstücke, die ausnahmslos in öffentlichen Institutionen, vor allem in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt, verwahrt werden. In Privatbesitz befindliche Textzeugen konnten für die Herausgabe der Historisch-Kritischen Ausgabe nicht aufgefunden werden (vgl. Morgenthaler, I, 40 f.).
 

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20 Happel, Eberhard Werner. Thesaurus exoticorum oder eine mit außländischen Raritäten und Geschichten wohlversehene Schatz-Kammer fürstellend die Asiatische, Africanische und Americanische Nationes [...]. Hamburg, Thomas von Wiering, 1688. 5 Teile in einem Bd. (10), 288 SS. 192 SS. 120 SS. 160 SS. (4), 115, (1) SS. (fehlen 8 Bll. Vorstücke?).Titel in rot und schwarz gedruckt. Mit gest. Vortitel, 3 gefalt. Holzschnittafeln und 25 (statt 27?) gefalt. Kupfertafeln und -karten (gelegentlich zeitgenöss. ankoloriert) sowie 199 Textholzschnitten. Marmorierter Halblederband um 1800 mit goldgepr. rotem Rückenschildchen und hübscher -vergoldung. Folio (199:327 mm).
  € 4.500
Zweite Ausgabe, gelegentlich als die erste bezeichnet (die sehr seltene eigentliche Erstausgabe erschien 1684). Dieses außerordentlich vielfältige und umfassende Potpourri aus Politik und Reiseberichten, Anekdoten, wissenschaftlichen Entdeckungen und Experimenten weist Happel als gewieften Journalisten mit sicherer Kenntnis des Publikumsgeschmacks aus. Die Holzschnitte stellen nach Thieme/Becker (XXXV, 537) das Hauptwerk Thomas Wierings dar. "Has special interest for the American collector, as it consists of a series of 15 curious representations of the aborigines of America, all with detailed descriptions of their manners, customs, religion" (Sabin). Insbesondere die Türkenkriege in Europa werden eingehend behandelt (u. a. die aktuellen Feldzüge in Südgriechenland zwischen 1684 und 1688). Das Schlußkapitel bildet eine von Johann Lange besorgte vollständige deutsche Übersetzung des Korans (nach einer holländischen Übertragung, die der französischen Fassung du Ryers aus dem Jahre 1647 folgt). - Titel knapp beschnitten; geringer Textverlust im Impressum. Papierbedingt durchgehend gebräunt. Wie meist etwas inkomplett (von den acht Exemplaren, die in den letzten 20 Jahren versteigert wurden, nur eines vollständig); Tafeln und Text mit Bug- und Randeinrissen (vielfach alt und unfachmännisch hinterlegt). Exemplar aus der Sammlung Atabey mit entspr. Exlibris am vorderen Innendeckel. (mehr)
  ¶ Dünnhaupt II, 769, 15. Sabin 30279. Jantz 1291. Hayn/Gotendorf III, 84. Hiler 413 (alle mit abweichenden Kollationen). Sturminger 1464. VD 17, 39:131766W. Vgl. Atabey 563 (Anm. zum vorliegenden Zweitexemplar; das andere ebenfalls incpl.). Nicht bei Apponyi, Colas, Lipperheide oder Payer. Nicht bei Blackmer.
 

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Asienreisen
21 Hedin, Sven, schwedischer Geograph, Forscher und Reiseschriftsteller (1865-1952). "Några ord om min resa genom Asien". Eigenh. Ms. mit U. ("Sven Hedin"). O. O., [1897]. 15 SS. auf Doppel- und Einzelblättern. In weißem Umschlag, bezeichnet "Ord och bild Korpus". Gr.-Folio.
  € 8.000
Eigenhändiges Manuskript, in schwedischer Sprache betitelt "Einige Worte über meine Asienreisen", wie es Hedin 1897 der schwedischen Zeitschrift "Ord och Bild" zur Veröffentlichung vorgelegt hatte. Nach zwei Persienreisen und seiner Berliner Promotion im Jahre 1892 war Hedin 1893 zu seiner ersten selbstgeplanten Expedition aufgebrochen. Er erforschte das Pamirgebirge und reiste durch das Tarimbecken in der Xinjiang-Region, durch die Taklamakan-Wüste, zu den Seen Kara-Koshun und Bosten, und dann nach Nordtibet. Er legte 26.000 Kilometer zurück und kartographierte auf 552 Kartenblättern 10.498 Kilometeter der Strecke; etwa 3.600 Kilometer führten durch bisher unverzeichnetes Gebiet. Mehrere Versuche, den 7546 Meter hohen Muztagata zu besteigen, blieben erfolglos. Sieben Kamele verdursteten, wie auch wahrscheinlich mehrere Führer. Hedin erreichte im März 1897 Peking und kehrte über die Mongolei und Rußland nach Stockholm zurück. Während sein wissenschaftlicher Expeditionsbericht, "Die geographisch-wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien 1894-97", erst 1900 im Druck erschien, enthält das vorliegende Manuskript den ersten veröffentlichten Bericht von Hedins sensationeller Reise, auf der er mehrmals nur knapp dem Tod entrann. - Von der Hand des Setzers stellenweise minimal angeschmutzt, ansonsten sehr schön erhalten. (mehr)
 

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22 [Heidelberger Bund]. Erklärung des Ludwig Graf von Stolberg im Fürstenaufstand 1552 und Schriftwechsel der drei Landesfürsten Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz, Herzog Christoph von Württemberg und Herzog Albrecht V. von Bayern mit Stolberg wegen des Heidelberger Bundes (1553-1556). Gießen, Heidelberg, Augsburg und München, 1552-1556. Zusammen 7¼ SS. Meist mit Adresse.
  € 7.500
Der sogenannte "Heidelberger Bund" wurde anläßlich einer persönlichen Zusammenkunft des Kurfürsten von der Pfalz sowie der Herzöge von Jülich, Bayern und Württemberg gegründet, als der Friede im Reich im Jahre 1553 durch eine Reihe teilweise miteinander verbundener Probleme aufs schwerste gefährdet wurde (Franken, Sachsen, Braunschweig, Spanische Sukzession u. a.). Ziel des Bündnisses war eine defensive Politik; im Ernstfall sollten sich die Beteiligten zu Hilfe kommen. 1556 löste sich der Bund auf. - Die vorliegenden Briefe im einzelnen: 1.) Ludwig Graf von Stolberg (1505-74). Schriftstück mit papiergedecktem Siegel. Gießen, 16. III.1552. 1 S. Quer-Folio. - Stolberg bestätigt dem König von Frankreich, dem Kurfürsten von Sachsen, dem Herzog zu Mecklenburg, Landgraf Wilhelm zu Hessen und anderen Bündnisverwandten in drei Punkten, dass er ihren Kriegshandlungen nicht entgegentreten wolle und freien Zugang zu Proviant und anderen Kriegsnotdürften sowie freien Durchzug gewähre. - Bezieht sich auf den sogenannten "Fürstenaufstand" von 1552, einen Aufstand protestantischer Fürsten unter der Führung von Moritz von Sachsen gegen Kaiser Karl V. 2.) Friedrich II., Kurfürst von der Pfalz (reg. 1544-56). Brief an Ludwig Graf von Stolberg. Heidelberg, 27. XI.1553. 2¼ SS. und Adresse. 4to auf gefalt. Bogen. - Trägt Ludwig von Stolberg das Hauptmannsamt des Heidelberger Vereins an. 3.) Derselbe. Brief an Ludwig Graf von Stolberg, mit papiergedecktem Siegel. Heidelberg, 29. I.1654. 1 S. und Adresse. Folio. - Bestätigt noch einmal eindringlich den oben vorgetragenen Wunsch. 4.) Christoph, Herzog zu Württemberg (reg. 1550-68). Brief mit U. Augsburg, 8. IV. 1555. 1 S. und Adresse. 4to auf gefalt. Bogen. - An Ludwig Graf von Stolberg. Bestätigt die Weiterleitung eines Schreibens Ludwigs an Albrecht von Bayern als derzeit obersten Hauptmannes des "Heidelberger Vereins". 5.) Albrecht V., Herzog von Bayern (reg. 1550-79). Brief mit U. München, 17. II. 1556. 1 S. und Adresse. Quer-4to auf gefalt. Bogen mit papiergedecktem Verschlusssiegel. - An Ludwig Graf von Stolberg mit Antwort auf dessen Ansuchen auf Entledigung von seiner Dienstverpflichtung. 6.) Derselbe. Brief mit U. München, 15. III. 1556. 1 S. und Adresse. 4to mit papiergedecktem Verschlusssiegel. An Ludwig Graf von Stolberg. Betrifft abermals die "Einigungs Bestallung". Bezieht sich nach Empfang eines erneuten Schreibens von Stolberg auf sein voriges Schreiben. Der Schriftwechsel bezieht sich auf den Wunsch der Fürsten, Ludwig von Stolberg möge die militärische Leitung des Heidelberger Fürstenbundes übernehmen. (mehr)
 

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23 Hofer, Andreas, Tiroler Freiheitskämpfer (1767-1810). Eigenh. Schriftstück mit U. O. O. u. D. 1 S. Qu.-kl.-schmal-8vo.
  € 8.000
Befehl zur Rückgabe von Munition: "Die Iber Plibenen Paderonnen sein dem Herrn Joseph gogl ab zu gäben | Andere Hofer". - Umseitig das Fragment eines Schriftstücks von fremder Hand. - Abschnitt eines größeren Blattes; leicht fleckig und mit kleinen Montagespuren. (mehr)
 

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24 Hugo, Victor, Schriftsteller (1802-1885). Portraitphotographie mit eigenh. Widmung und U. O. O. u. D. 110:57 mm.
  € 2.500
Brustbild en face, zur Seite gewandt: "Hommage a Miss Emily Carey | Victor Hugo". - Wohlerhalten. (mehr)
 

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Mit sechsseitigem Eintrag von "Turnvater" Jahn
25 [Jahn, Friedrich Ludwig]. Stammbuch des Superintendenten Karl Friedrich Ferdinand Tiebel mit rund 200 Eintragungen. Halle, Lenzen (Priegnitz), Magdeburg, Kloster Berge bei Magdeburg, Hillersleben u. a., 1795 bis um 1800. 1 Bl., 229 [recte 219] pag. SS. (31/32 doppelt vergeben; es fehlen 87/88, 143-146, 187-190 und 223/224), 3 Bll. Mit 9 teils ganzseitigen aquarellierten Federzeichnungen, 6 (4 lavierten) Federzeichnungen, Seidenstickerei und 2 Schattenrissen. Lederband der Zeit mit Rückenschildchen, Rücken- und Deckelvergoldung mit Monogramm "K.F.F.T." am Vorder- und "K 1795 B" am Hinterdeckel. In Pappumschlag der Zeit und in Pappschuber. Qu.-8vo.
  € 18.000
Das mit schönen, teils auch künstlerisch und ikonographisch bemerkenswerten Miniaturen ausgestattete Stammbuch ist durch seine Provenienz aus dem Freundes- und Bekanntenkreis des "Turnvaters" Jahn von besonderer Bedeutung, zumal es Einblicke in die bislang wenig bekannte frühe Studienzeit Jahns gewährt. Der Stammbucheigner, Karl Friedrich Ferdinand Tiebel (1778-1835), Superintendent und Oberprediger in Nauen, gehörte zum engen Freundeskreis des "Turnvaters" Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Jahns Vater war Pfarrer in Lanz in der Westpriegnitz, wo Jahn auch geboren wurde; der Vater von Tiebel, Christian Friedrich (1738-1809), war Prediger im Nachbarort Lenzen. Er und seine Ehefrau sind am Anfang des Stammbuchs in zwei Schattenrissen portraitiert (erst nach dem Tod der Mutter 1831 hinzugefügt). Die Familien Jahn und Tiebel verband offenbar eine lebenslange Freundschaft; die Söhne sind miteinander aufgewachsen und haben, wie aus Jahns Eintrag hervorgeht, die ersten Studienjahre miteinander verbracht. Offenbar waren, wie aus einem Brief Jahns aus dem Jahre 1816 hervorgeht, beide Familien sogar recht nah miteinander verwandt: "[...] Superintendent Tiebel von Nauen ist ein naher Anverwandter von mir, und was mehr gilt als Blutsverwandtschaft, mein Jugendfreund von hohen Schulen her" (zit. n. Meyer, Die Briefe Friedrich Ludwig Jahns, Leipzig 1913, S. 86). Der Beitrag Jahns gehört zu einer besonderen Abteilung des Stammbuchs, in den sich mehrere Kommilitonen Tiebels eingetragen haben (SS. 16-29); vorangestellt sind ein Deckblatt und eine Miniatur mit der Darstellung des "Schusters Sauer in Halle", der für den Verleih von Pferden in schlechtem Zustand unrühmliche Bekanntheit erlangt hat. Offenbar haben auch die Studenten um Tiebel und Jahn mit Sauer schlechte Erfahrungen gemacht. Jahns Eintrag, datiert "Halle d. 24ten des August 1798" und mit einem Zitat von Kosegarten eingeleitet, betont zunächst in üblicher Weise die enge Freundschaft mit dem Stammbucheigner, fährt dann aber mit einer "Erinnerung an unser akademisches Leben" fort, die im Juni 1797 einsetzt. Jahn berichtet über gemeinsame Wanderungen um den Giebichenstein bei Halle (dort sollte er sich später zeitweise in eine Höhle zurückziehen, heute als "Jahnhöhle" bekannt, von Jahn hier "Kaninchenhöhle" genannt). Auf zweieinhalb Seiten faßt Jahn sodann gemeinsame Reiseerlebnisse zusammen, eine "kleine Fahrt zum Petersberg", eine Reise nach Thüringen vom 20. bis 27. August 1797, einen Besuch in Eisleben mit Besichtigung des Lutherhauses und eine Harz-Wanderung. Im Bericht zur Thüringenreise wird auch Goethe in einem kurzen Seitenhieb erwähnt: "Goethe spielt Großhaus Weimar", in Anspielung auf seine in diesem Jahr erfolgte Anstellung als Bibliothekar an der Bibliothek der Herzogin Anna Amalia. Der Eintrag schließt mit den Zeilen: "In Wahrheit lieber Tiebel, wir können sagen, wir LEBTEN in Halle. Ohne Reideburg, den Tempel der Roheit, und hunnische Sauffeste lebten wir glücklich, ohne verderbliche Verbindungen hatten wir Freunde. - Wir lernten einsehen, daß unser Glück nicht im Vielbesizzen besteht, sondern in der Genügsamkeit, im weisen Gebrauch des Erworbenen, und im frohen Streben nach erreichbaren Geistern. Ewig dein Freund Jahn". Der Vater Jahns, Alexander Friedrich Jahn, seine Mutter, Dorothea Sophie (geborene Schultze), und eine Cousine Tiebels mit Namen M. E. Jahn haben sich ebenfalls eingetragen (alle Lanz, 26. IV. 1798). Die meisten der weiteren Beiträge stammen von Hallenser Studenten. Bekannte Personen sind u. a. Charlotte von Heyden, die spätere Frau des Generalfeldmarschalls Wilhelm von Krauseneck, und der Philhellene Wilhelm Boldemann. Die reizvollsten der Miniaturen stammen von Carl Wilhelm Herschel, der seit 1795 "Universitätszeichenmeister" in Halle war (Eintrag vom 10. IX. 1798). - Die in der Paginierung fehlenden Seiten (s. o.) wurden wohl übersprungen; für fehlende Blätter gibt es keine Anhaltspunkte (im Index der Einträge am Schluß sind diese Seiten nicht aufgeführt). Eine Zeichnung lose beiliegend. Stellenweise ein wenig fingerfleckig, geringe Gebrauchsspuren; Umschlag und Schuber jeweils stärker beschabt und lädiert. (mehr)
 

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26 Kaindl, Anton. Manastiri din Romania i Oltenia. Gravures à l'eau-forte de Antoine Kaindl Bucarest. Bukarest, 1927 (Abzug; teils in der Platte datiert "26"). Folge von 10 Aquatintaradierungen (ca. 240:160 mm), alle vom Künstler mit Bleistift außerhalb des Plattenrands signiert. Lose in rot-schwarz bedr. Originalmappe. Folio.
  € 2.000
Bibliographisch nicht nachweisbare Radierungsfolge mit Ansichten rumänischer und wallachischer Klöster, darunter Horezu, Putna, Govora und vielfach Polovragi. Das einzige andere bekannte Exemplar (University of Wisconsin, Milwaukee, Sondersammlungen NA5924 .K35x 1900z) enthält lediglich sechs Tafeln. Über den Künstler (nicht identisch mit dem 1922 gestorbenen Münchner Bildhauer gleichen Namens) ist weiter nichts bekannt. - Die Mappe gebräunt und fleckig, mit kl. Einrissen. Die Tafeln unterschiedlich gebräunt. Kräftige Abdrucke, breitrandig und unbeschnitten. (mehr)
  ¶ OCLC 768778294.
 

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Aus dem Besitz Kurt Wittgensteins, dem Bruder Ludwigs
27 Kandinsky, Wassily / Marc, Franz (Hg.). Der Blaue Reiter. München, R. Piper & Co., 1912. (2), 131, (1), 2, (2), (133-)140, (10) SS. Vollständig mit 41 Tafeln (davon 4 handkoloriert) sowie 3 gefalt. Tafeln Musikbeilagen (von Schönberg, Webern u. Berg). Farbig bedr. Originalleinenband. Dreiseitiger Farbschnitt. Lesebändchen. Kl.-Folio.
  € 12.000
Erste Ausgabe des berühmten Almanachs, dessen Titelillustration der Künstlergruppe, einer der bedeutendsten des ganzen Expressionismus, ihren Namen gab. Das kühne, heute einhellig als epochal gewürdigte Manifest stieß bei Publikum und Kritik fast durchgehend auf Unverständnis. Obwohl der Almanach ab Sommer 1914 mehrfach nachgedruckt und übersetzt wurde, zerfiel das Projekt der Reihe mit dem Ersten Weltkrieg; schon der geplante zweite Band ist nie erschienen. - Vorliegend das Exemplar des kunstsinnigen Wiener Unternehmers Konrad "Kurt" Wittgenstein (1878-1918), der als einziges der zahlreichen Kinder des Wiener Stahlindustriellen Karl Wittgenstein in die väterlichen Fußstapfen trat. Anderthalb Jahre nach dem Erscheinen des Bandes setzt er auf den Vorsatz die rätselhafte und prophetisch anmutende Bemerkung: "Zu besprechen im Jahre 1933. KW. Nov. 1913". Der Kommentar scheint einige Verwirrung angesichts der "neuen Kunst" zu verraten, jedoch nicht ihre kategorische Ablehnung, und vertagt das Urteil so hilflos wie souverän um zwei Jahrzehnte. Welche Zäsur das Jahr 1933 aber tatsächlich für das moderne deutsche Kunstschaffen bedeuten sollte, welche Diffamierung die Werke Kandinskys, Marcs, Mackes und Kirchners, die Schönbergs, Bergs und Weberns als "entartete" Kunst und Musik noch erfahren sollten und welche Rolle dabei jener ehemalige Mitschüler von Kurts kleinem Bruder Ludwig spielen sollte, der (eben zehn Jahre vor der Niederschrift dieser Worte) an derselben Linzer Realschule so jämmerlich versagt hatte, wie der spätere Philosoph brillierte, davon konnte Kurt Wittgenstein freilich keinen Begriff haben. Der musikbegabte, ansonsten als Lebemann geltende Industrielle, der ein Jahr zuvor das Erbe des Firmenpatriarchen Karl angetreten hatte, sollte es auch nicht erleben, viel weniger besprechen: 1917 endlich aus Amerika zurückgekehrt, trat er sogleich als Rittmeister in die k. k. Landwehr ein, um im Weltkrieg seinen Beitrag zu leisten; aus bis heute ungeklärten Gründen nahm er sich kurz vor dem österreichischen Rückzugsbefehl, vierzigjährig, an der italienischen Front das Leben. - Einband minimal berieben; am oberen Rand durchgehend schwache Feuchtigkeitsspur; das Seidenhemdchen des farbigen Frontispizes leicht knittrig. Über Kurts Schwester Margarethe, seit 1905 verehel. Stonborough, gelangte der Band in den Besitz von deren Sohn Thomas. Hernach in der Sammlung von dessen Sohn Pierre Stonborough und seiner Gattin Françoise; aus jener direkt erworben. - Herausragend individualisiertes Exemplar einer Ikone der Klassischen Moderne. (mehr)
 

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Dedication copy
28 Kant, Immanuel, Philosoph (1724-1804). Eigenh. Widmung mit U. ("auctor"), aus der Erstausgabe von "Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft". O. O., [um 1793]. ½ S. 8vo. Mit einigen Beilagen (s. u.).
  € 35.000
Eigenh. Widmung an seinen ehemaligen Schüler Carl Theophil Fischer: "VIRO | docto, cordato, integerrimo, | Carol. Theophil. Fischer, | Christianismi veri | Praeconi ac Exemplo, | Amico exoptatissimo, | libellum hunc | D[at].D[icat].D[edicat]. | auctor". - Die untere Blatthälfte mit einer mehrzeiligen Echtheitsbestätigung von dem Königsberger Bibliothekssekretär Justus Florian Lobeck: "Die Autographe Kants sind hier schon sehr selten. Es ist mir nur gelungen dieses Autograph aus einem Exemplar der 'Religion innerhalb der Grenzen der [bloßen] Vernunft', welches der Verfasser mit dieser Dedication Fischer schenkte, zu erhalten [...]" (Königsberg, 15. Juni 1850). - C. T. Fischer (1745-1801) war seit 1787 Krankenhausseelsorger in Königsberg und ein Verehrer Kants. In einem Brief vom 29. Jänner 1794 bedankte er sich bei diesem für das "Geschenk der Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft von der Hand ihres Verfassers" (Kant: AA XI, Briefwechsel 1794, S. 486, Nr. 615). - Etwas gebräunt und leicht fleckig; beiliegend zwei Briefe und eine Postkarte späteren Datums zu dem vorliegenden Blatt. (mehr)
 

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29 Karl VI., König von Frankreich (1368-1422). Brief mit eigenh. U. ("Charles"). Sablé, 23. III. [1488]. ¾ S. 4to. Mit Adresse (Faltbrief).
  € 15.000
Aus der Zeit des von 1483 bis 1505 dauernden Schismas von Tournai und gerichtet an die Regierung in Flandern - "a Nos tres chers et bien amez gens Les gens des troys membres de flandres" - mit dem Ersuchen, dem Bischof von Tournai, Louis Pot, Gehorsam zu leisten und ihm Zugang zu seinem Besitz zu gewähren: "Trés chers et biens amés, Naguères vous avons escript en faveur de Nostre amé et et féal conseiller Loys Pot evesque de Tournay à ce que lui feissiez obéissance comme à vostre evesque et que l'empeschement mis en sa possession durant ces dernières guerres lui feust osté et aussi que en traictant des matières de [...] expresse mension feust faicte de son cas affin que desormais il ne peust estre inquiété en son droit ni les fruicst de son évesché empeschés et pour ce que de plus en plus nous avons la matiere [...] et que tousjours avons tenu et tendrons la main pour nostre dit conseiller [...]". - Verfaßt zwei Tage nach dem Ende des Krieges gegen die Bretagne. Tournai hatte in diesen Jahren zwei Bischöfe, einen vom Papst ernannten und den vom König bestimmen Louis Pot, dem es jedoch nie gelingen sollte, die päpstliche Bestätigung zu erhalten. - Etwas fleckig und mit kleinen Randläsuren sowie einigen kleinen Papierdurchbrüchen, insgesamt jedoch gut erhalten: Beiliegend Volltranskription. - Von größter Seltenheit, kein Nachweis auf internationalen Auktionen der letzten Jahrzehnte. (mehr)
 

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30 [Kartenspiel]. "Wiener Aufschlag Karten" (Deckeltitel). Wohl Wien, um 1820/1830. 32 aquarellierte Karten (87:49 mm). Lose in Pappschuber der Zeit.
  € 3.500
Sehr hübscher Satz von Wahrsagekarten der Wiener Biedermeierzeit mit symbolischen Darstellungen, zum Teil auch in Form kleiner Szenen, darunter in schwarzer Tinte die jeweilige Bedeutung vermerkt. Die Anzahl von 32 Karten war für bestimmte Arten des Kartenlegens in der Zeit üblich, so daß von der Vollständigkeit des Satzes ausgegangen werden kann. - Rückseiten mit Buntpapier. Etwas gebräunt bzw. gering braunfleckig; der Pappschuber berieben und bestoßen. (mehr)
 

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31 Lichtenberg, Georg Christoph, Schriftsteller (1742-1799). "Silhouetten | Fragment von Schwäntzen". Eigenh. Manuskript. O. O., [1777]. 4 SS. auf Doppelblatt. 4to. Mit drei Federzeichnungen.
  € 28.000
Arbeitsmanuskript des ersten Teils seiner berühmten Satire auf Lavaters damals in Erscheinung begriffene "Physiognomischen Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe" (1775-1778), die europaweit Furore machten. Lichtenberg parodiert meisterhaft Lavaters larmoyante Art, seine zum Teil minimalistischen Darstellungen von Nasenprofilen oder Ohren mit großartigen Charakterattributen zu versehen, die er im Text dann ausführlich erläutert. Die ersten zwei Zeichnungen zeigen zwei "Heroische, kraftvolle" Schwänze, nämlich "Ein Sauschwantz" und "Englischer Doggen Schwantz", die dritte Zeichnung vereinigt die beiden Schwänze in Kameenform. Darunter eine Echtheitsbestätigung von Lichtenbergs Schülers Friedrich Kries (1768-1849): "Daß Vorstehendes des Götting. Lichtenbergs eigene Handschrift ist, kann ich bezeugen. Gotha den 16t Januar 1847. Fr. Kries". Lichtenbergs Göttinger Kollege, der Arzt Ernst Gottfried Baldinger (1738-1804), ließ die Satire 1783 ohne Wissen Lichtenbergs im "Neuen Magazin für Ärzte" (Bd. 5) veröffentlichen. Das vorliegende Manuskript weist einige Abweichungen gegenüber dem Druck auf; auch fehlt im Druck die hübsche Cameo-Vignette am Schluss des Manuskripts. - Geringfügig stockfleckig, kleine Einrisse in der Faltung. Beiliegend der Separatabzug des Erstdrucks, zusammengebunden mit zwei Lichtenberg betreffenden Nummern des "Morgenblatts für gebildete Stände" von 1807 (Halblederband von etwa 1870 mit goldgeprägtem Rückenschildchen; Innendeckel mit dem Exlibris Eduard Grisebach). (mehr)
 

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Portrait der "schwedischen Nachtigall" von Corbould
32 Lind, Jenny, Sängerin (1820-1887). Zeitgenössisches Porträt, vom Künstler im linken Rand signiert und datiert ("Edward Henry Corbould"). London, 1850. Ovales Aquarell auf Karton, 28 x 24 cm. Hinter Glas, im profiliertem, vergoldeten Originalrahmen.
  € 9.500
Eindrucksvolles halbfigürliches Portrait der damals dreißigjährigen Sopranistin, von einem der gefragtesten Maler der viktorianischen Ära. Edward Henry Corbould (1815-1905), der neben zahlreichen Historienbildern auch für seine Portraits der englischen Königsfamilie bekannt ist, unterrichtete die Kinder von Königin Viktoria über mehrere Jahre in der Aquarellmalerei. - Wohl als Erinnerungstück für einen wohlhabenden Verehrer der damals noch unverheirateten Sängerin (ihre Verehelichung mit Otto Goldschmidt erfolgte erst 1852) entstanden; von der Portraitierten rückseitig mit ihrer eigenh. Unterschrift ("Jenny Lind") versehen. (mehr)
 

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33 [Malta]. A[tkinson?], F. B., Reisender und Malerdilettant (fl. um 1830). Aquarellalbum mit Ansichten aus Malta sowie Süditalien. Malta, Neapel, Pompeji, Paestum, Palermo u. a. O., wohl zumeist 1832. Sammlung von 32 Tuschzeichnungen (davon 30 aquarelliert: 27 Ansichten und 5 Kostümbilder, eine Ansicht in Sepia laviert, 2 weitere unkoloriert), zumeist ca. 160 x 120 mm. Dabei eine spätere Photographie. Einmontiert in dunkelgrünen Leinenband der Zeit mit blindgepr. Deckelfileten. Qu.-8vo.
  € 12.500
Charmantes, privat angelegtes Album eines englischen Südeuropareisenden der 1830er Jahre. Der Großteil der Ansichten sowie sämtliche Kostümszenen wurden in Malta angefertigt und zeigen St. Julian's, die Befestigungsanlagen, den Palasthof mit Schatzamt, eine maltesische Fähre mit Fährleuten und Passagier, Bighi Palace, Fort Ricasoli, die Vittoriosa-Docks, Mdina, Valetta, Fort Tigné, den Quarantänehafen, den Galeerenhafen etc. (praktisch durchgehend mit Schiffen und Booten vor der Küste). Weitere Ansichten aus Süditalien zeigen den rauchenden Vesuv und die Ruinen von Pompeji und Paestum. Am hinteren Innendeckel eine hübsche Federzeichnung des Herrenhauses von Horstead, Norfolk. Die letzte Zeichnung davor, in Sepia laviert, zeigt eine antikisierende Landschaft und ist signiert und datiert "F.B.A. Nov. 20 1832". Am vorderen Innendeckel zeitgenössisch bezeichnet "F. H. Atkinson. Malta and Italy"; ebendort späteres Buchhändleretikett "C. Le Feuvre, Bookbinder, Beresford Library, Jersey" (um 1880); aus dieser Zeit stammt auch ein nicht näher identifiziertes, wohl englisches Familienfoto am Vorsatz. - Trägerkartons etwas stockfleckig (teils auch die Illustrationen betreffend); die Aquarelle durchgehend in kräftigem Kolorit. (mehr)
 

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34 Martinus Polonus. Sermones de tempore et de sanctis cum promptuario exemplorum. Straßburg, [Georg Husner], 1484. 255 nn. Bll. (d. l. w.). Gotische Type, 2 Spp., 46 Zln. Durchgehend rubriziert. Mit rot und orange eingemalter Titelbordüre, großer mehrfarbig eingemalter Initiale "S" mit in den Rand auslaufendem Blüten- und Rankenwerk zu Textbeginn, hübscher Einfassung des Kolophons in rot und zahlreichen rot oder blau eingemalten Initialen, teils mit in den Rand auslaufendem Federwerk. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit über Holzdeckeln auf 4 Doppelbünden mit 2 Metallschließen (fehlen die Beschläge). Hs. Rückenschildchen. Folio (224:318 mm).
  € 24.000
Wohl editio princeps dieser Sammlung homiletischer Musterstücke von Martin von Troppau (gest. nach dem 22. Juni 1278), durchgehend rubriziert und mit schönen Initialen verziert. Eine von Hain noch genannte frühere Ausgabe Straßburg 1480 (H 10853) dürfte nie existiert haben bzw. eine Verwechslung mit der vorliegenden darstellen. Martinus Polonus (auch Martin von Troppau bzw. Martinus Oppaviensis) gilt als einer der angesehensten Chronisten des Mittelalters. Er dürfte aus Troppau stammen, während sein Beiname "Polonus" auf sein Stammkloster verweist, das zur polnischen Dominikanerprovinz zählte. 1278 wurde er von Papst Nikolaus III. zum Erzbischof von Gnesen ernannt, starb aber auf der Heimreise in Bologna. Sein "Chronicon pontificum et imperatorum" gilt als wichtigste Mendikantenchronik. - Ca. 6 Blätter unten angerändert, 2 weitere Bll. mit unteren Eckausrissen. Etwas gebräunt und fleckig, teils mit hs. Marginalien der Zeit. Vor allem am Anfang und Ende mit stärkeren Wurmspuren; im letzten Drittel eine größere Wurmspur im Text. Einband etwas fleckig und bestoßen; der Hinterdeckel mit Bezugsfehlstelle und zahlreichen Wurmlöchern. Die hübsche gotische Blindprägung zeigt Einzelstempel mit Jagd-, Agnus Dei- und Blütenmotiven (nicht bei Schunke, Schwenke-Slg.). Am Innendeckel das prächtig gemalte Wappenexlibris des Kirchenrechtsgelehrten Wolfgang Crener von Sulzbach (fl. um 1510); weitere, spätere Besitzvermerke und Exlibris. (mehr)
  ¶ Hain 10854. Goff M-329. GW M 21433. ISTC im00329000. Pellechet 7628. IGI 6245. Proctor 591. BMC I, 132. Walsh 221. CIBN M-184. BSB M-238. Wierzbowski III, 2013. Estreicher XXII, 201.
 

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35 Melanchthon, Philipp, Humanist und Reformator (1497-1560). Eigenh. Brief mit U. ("Philippus"). [Wittenberg, 19. III.] 1530. 1 S. Folio. Mit e. Adresse (Faltbrief) und Siegelspur.
  € 28.000
An Johannes Weber, den Pfarrer zu Neustadt an der Orla, den er für dessen Entscheidung in einer Ehesache lobt und dem er weitergehenden Rat erteilt: Die Ehe des Georg [Jüngkling] mit [Else Moser] sei ungültig und er müsse sich von ihr trennen, solange das Schicksal von deren erstem Mann noch ungeklärt sei. Allerdings dürfe Jüngkling vorläufig keine neue Ehe eingehen und er solle die Frau zurück bekommen, falls der erste Mann gestorben sei. "S[alutem] D[ico] | Bene facis, quod con[s]tanter attingis controversias matrimoniales. De negocio d. georgii sic sencio[:] Quod illud matrimonium contractum, cum mulier incerta esset de vita, ac voluntate viri prioris, qui ipsa consenciente abiit, sit irritum. Est igitur liber georgius. Sed movet me scandali racio, ne statim concedam ei ducere aliam uxorem. Agendum prius est per magistratus, cum illa muliere, aut per nos cum amicis mulieris, ut res exploretur de vita prioris mariti certo. Si ipsa mulier volet abire ad priorem maritum, non detineas eam, quia hoc secundum coniugium non est iure contractum. Habes meam sentenciam, quam te rogo, ut ita modereris, ne plus offensionum ex hac re oriatur [...] Prohibebis etiam, ne georgius et illa mulier, re inexplorata, redeant ad se mutuo. Sed si consentit virum esse mortuum, scandali caussa, velim georgium hanc mulierem re[tin]ere". - Zum Hintergrund vgl. Luthers Briefwechsel V, Anm. zu Nr. 1494: Else Moser war mit dem Büchsenmeister Hieronymus Malter verheiratet gewesen, der in Diensten König Ludwigs gekämpft hatte und 1526 in der Schlacht bei Mohács in türkische Gefangenschaft geraten war. Ein Brief Malters, in dem er seine Frau auffordert, zu ihm ins Gefangenenlager in Ungarn zu kommen, traf erst 1529 ein, kurz nachdem diese eine neue Ehe mit dem Pfarrer Georg Jüngkling eingegangen war. Zu klären war nun, ob der erste Ehemann noch lebe. - Etwas angestaubt und mit Randläsuren; kleine Einrisse in den Faltungen alt hinterlegt. (mehr)
  ¶ Melanchthons Briefwechsel (hg. v. H. Scheible). Bd. IV (Stuttgart 2007), S. 878.
 

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36 Münster, Sebastian. Rudimenta mathematica. Haec in duos digeruntur libros [...]. Basel, (Henricpetri, März 1551). (10) SS., 1 w. Bl., 242, (2) SS. Mit großem Titelholzschnitt, gefalteter Holzschnittafel, zahlreichen Textholzschnitten und Druckermarke am letzten Bl. verso. (Beigebunden) II: Schöner, Andreas. Gnomonice [...], hoc est: De descriptionibus horologiorum sciotericorum omnis generis [...] libri tres. His addita sunt eiusdem autoris: Gnomonices Mechanices [...] De inventione lineae meridianae [...] De compositione astrolabii. Nürnberg, Johann Montanus und Ulrich Neuber, 1562. (6), CVIII Bll. Mit figuraler Holzschnitt-Zierleiste am rot-schwarz gedruckten Titel, 4 (dav. 3 gefalteten) Holzschnittafeln, 148 (dav. 44 nahezu ganzs.) Textholzschnitten und Druckermarke am letzten Bl. verso. (Beigebunden) III: Benedetti, Giovanni Battista. De gnomonum umbrarumq[ue] solarium usu liber. Turin, Niccolo Bevilaquas Erben, 1574. (6), 123 Bll., l. w. Bl. Mit Wappenholzschnitt am Titel, zahlreichen figuralen Holzschnittinitialen und zahlreichen schematischen Textholzschnitten. Pergamentband der Zeit auf 3 durchzogenen Bünden. Reste von Bindebändern. Folio (220:317 mm).
  € 25.000
Schöner horologischer Sammelband mit drei seltenen Schriften zur Gnomonik in jeweils erster Ausgabe. - I. "The most sumptuously illustrated work of Münster, the second part represents his final word on sun-dials and enlarges on the 1531 and 1533 quarto editions. Wall-dials, especially, are described, and a number illustrated, so are the Kratzer type of polyhedral dial, Koebel's, Finé's, etc. dials, the scapha, nocturnals, etc." (Weil). Enthält zu Beginn eine Einführung in die Geometrie. Unter den Holzschnitten eine schöne Folge von halbseitigen Darstellungen der Tierkreiszeichen (S. 166-177) sowie die sieben Planetenzeichen (S. 182-184); der große Titelholzschnitt zeigt Landvermesser bei der Arbeit. - II: Mit der vorhergehenden Schrift häufig gemeinsam vorkommendes Werk über die Sonnenuhren und astronomisch-technische Probleme. "[Schöner] selbst beschäftigte sich hauptsächlich mit Gnomonik, der er zwei Werke widmete [...], eines in lateinischer Sprache [...] Dem letztgenannten waren anhangsweise einige andere selbständige Arbeiten beigegeben, deren eine die Verfertigung des Astrolabiums, eine zweite die Ziehung der Mittagslinie behandelte; letztere Aufgabe wollte der Autor ohne jede Zuhilfenahme des Compasses gelöst wissen" (ADB). - III: "Benedetti is of special significance in the history of science as the most important immediate forerunner of Galileo [...] Benedetti's first publication after his move to Turin was a book on the theory and construction of sundials, 'De gnomonum', the most comprehensive treatise on the subject to that time. It dealt with the construction of dials at various inclinations and also with dials on cylindrical and conical surfaces [...] Original editions [of all of Benedetti's works] are very scarce" (DSB). - Durchgehend sauber und wohlerhalten. Ansprechende Zusammenstellung aus dem Besitz des biographisch schwer fassbaren Zipser Gelehrten Martin Wallendorff, der in den 1570er Jahren als Vertrauensmann im Umkreis der Thurzónischen Stiftung in Leutschau wirkte und auch in Wittenberg verkehrte (vgl. T. Katona, Caritas und Memoria [München 2011], S. 76), mit seinem eigenh. Besitzvermerk "Sum Martini Valendorffii" am Titel des ersten Werks. (mehr)
  ¶ I: VD 16, M 6675. Adams M 1939. BM-STC German 633. Houzeau/Lancaster I, 11364. Zinner 2022. Honeyman 2274. Libri rari 198. Bromley 605. Weil, Cat. XXXII, 236. - II: VD 16, S 3458. Adams S 677. BM-STC German 792. Houzeau/L. I, 11370. Zinner 2291. Honeyman 2800. ADB XXXII, 294. - III: Edit 16, CNCE 5165. Adams B 653. Riccardi I, 111. DSB I, 608. Houzeau/L. I, 11377 ("Bon traité. Rare").
 

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37 Petrus de Natalibus. Catalogus sanctorum et gestorum eorum ex diversis voluminibus collectis [...]. Straßburg, Martin Flach, 1513. (4), 253 Bll. Titel in rot und schwarz gedruckt. Mit Holzschnitt-Titelbordüre (Vögel und Reben) von Hans Wechtlin und blattgr. Holzschnitt von Urs Graf am Schluß der Vorstücke. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit auf 3 flach gearbeiteten Bünden. 2 intakte ziselierte Schließen. Folio (222:320 mm).
  € 7.500
Noch frühe Ausgabe der einflußreichen, erstmals 1493 in Vicenza erschienenen Heiligenlegenden. "A very valuable work with a wide circulation. In his arrangement of the various lives he follows the calendar of the Church. The collection [...] went through many editions, the last of which (the eighth) appeared in Venice, 1616" (Cath. Encyclopedia, s.v.). - Schöner Straßburger Druck; der prächtige Holzschnitt von Urs Graf zeigt die Himmelfahrt Christi. - Die Blindprägung des Einbands stärker berieben. Anfangs und gegen Ende mit Wurmspuren und kleineren Läsuren, stellenweise braunfleckig bzw. vereinzelt schwach wasserrandig. Hs. Besitzvermerk des späten 16. Jhs. und großes gest. Exlibris am vorderen Innendeckel. (mehr)
  ¶ VD 16, P 1881. BM-STC German 644. Adams N 45. Ritter 1856.
 

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38 Picasso, Pablo, Maler und Bildhauer (1881-1973). Portrait d'une femme. Ohne Ort, [1954]. Kreidezeichnung auf schwarz grundiertem Karton, rechts unten signiert "Picasso". Unter Glas gerahmt.
  € 25.000
Eindrucksvolle Originalzeichnung, entstanden als Dedikationsporträt für ein Exemplar der dem Künstler gewidmeten Doppelnummer von "Verve" (Bd. VIII, Nr. 29/30, 1954). Als Bildträger diente Picasso der schwarz grundierte Innendeckel des von ihm hierfür entworfenen Einbandes. - Beiliegend Echtheitsbestätigung von Alan Goldberg (COA 2002). (mehr)
 

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39 Preuenhueber, Valentin. Annales Styrenses: Das ist, historische Beschreibung aller denckwürdiger Händl und Geschichten, die sich zu und umb die Statt Steyr von Anfang derselben Erhebung biß Annum sechzehen hundert und neunzehen begeben und zuegetragen [...]. O. O., um 1650. Zeitgenössische Abschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. (6), 668 SS. Mit 44 handgemalten Wappendarstellungen in Aquarell und Deckfarben. Pergamentskriptband um 1690 unter Verwendung einer Handschrift des 15. Jhs. mit Lombardinitialen in rot und blau (inc. "Hoc Adam in genesi"). Erneuerte Bindebänder. Folio (219:316 mm).
  € 8.500
Schöne, noch zeitgenössisch entstandene Kopie von Preuenhubers zwischen 1625 und 1630 verfaßtem, erst 1740 gedruckten Hauptwerk "Annales Styrensis", die erste Chronik der Stadt Steyr und "eine hervorragende Leistung der österreichischen Historiographie im Zeitalter des Dreißigjährigen Kriegs" (Eder, 107). In zehn Teile gegliedert, umfaßt das zuletzt 1983 nachgedruckte Werk die Zeit vom Ursprung der Stadt bis zum Tode des Kaisers Matthias im Jahre 1619. Die "Annales" des Reformationshistorikers Preuenhuber (1629 im Zuge der Gegenreformation aus Steyr vertrieben und 1642 in Haag gestorben) gelten als "die erste Stadtgeschichte des Landes, ja Österreichs, die diesen Namen verdient" (Zibermayr, 216) und "eine der besten Städteannalen im gesamtdeutschen Raum" (Eder, 107). Das Manuskript gelangte nach dem Tod des Verfassers über seine Witwe an den Steyrer Magistrat, wo noch 1643 eine erste Abschrift angefertigt wurde, bevor das Original Ende 1654 an die Familie zurückgestellt wurde; durch diese gelangte es in die Windhagsche Bibliothek zu Wien (später im Besitz der Universität Wien). Auch die editio princeps, die der findige Nürnberger Verleger J. A. Schmidt 1740 herausbrachte (für einen Druck hatten der Stadt Steyr stets die Mittel gefehlt), beruht nicht auf dem Autograph, sondern einer der mehreren Abschriften, die seit Mitte des 17. Jahrhunderts wiederholt angefertigt wurden. Dadurch erklärt sich der Umstand, daß viele der "handgeschriebene[n] Preuenhueber" (Ofner, 66) in Steyrer Stadtbesitz wie in Privatsammlungen ausführlicher sind als der Druck (hier z. B. vorhanden die in den Editionen fehlenden Erwähnungen des 1578 von einem Garstener Chorsänger begangenen Mords oder 1607 die Hinrichtung der Kindsmörderin Rosina Mittendorfer). Die schönen Gouachen in leuchtenden, frischen Farben zeigen Wappen der an der Steyrer Geschichte beteiligten Geschlechter. - Die Vorstücke mit Titelei und Inhaltsverzeichnis erst im Mitte des 18. Jhs. ergänzt. Der hübsche Manuskriptpergamentband in neuerer Zeit fachmännisch restauriert. Aus dem Besitz des Franz Gottfried Vor(r)ig von Hochhaus (gest. 1701), k. k. Hofkammerrat und Eisenobmann in Steyr für Österreich ob und unter der Enns, mit seinem hs. Besitzvermerk am vorderen Innendeckel (dat. 1693). Am Titel Besitzerstempel des frühen 19. Jh. "GJA". Später in der Bibliothek des Exlibrisforschers Rudolf Frhr. von Hoscheck-Mühlhaimb (1896?-1960) mit seinem Exlibris und eh. Anmerkungen. (mehr)
  ¶ Vgl. J. Ofner, "Annales Styrenses. Ein Nürnberger Druck aus dem 18. Jahrhundert", in: Oö. Heimatblätter 20 (1966), 63-70, insbes. S. 66 zur Originalhandschrift und den Abschriften. K. Eder, "Ein Reformatonshistoriker - Valentin Preuenhueber", in: Zft. f. Dt. Geistesgesch. 3 (1937) 3/4. I. Zibermayr, Das oö. Landesarchiv in Linz (1960). Coreth, 131ff.
 

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40 Preziosi, Amadeo. Stamboul. Souvenir d'Orient par Preziosi. Paris, Lemercier, 1872. Large folio (395:543 mm). Tinted lithographic title page and 28 numbered colour lithograph plates, mounted on card, table of plates. Contemporary brown calf with giltstamped cover title, elaborately blindstamped cover borders, and 13 brass fittings. Floral endpapers. All edges gilt.
  € 18.000
Third French edition of Preziosi's stunning series of colour lithographs, presenting oriental views, scenes, and costumes from Istanbul, including scenes from the bazar and the coffeehouses, views of the port and the cemetery, portraits of Greeks, Arabians, merchants, eunuchs, dervishes, etc. Three images are presented as oblong ovals. The plate size is identical with that of all previous editions; merely the date "1857" used in the first edition was erased and replaced with a series number. One plate ("Corps de Garde") was omitted after the first edition; complete as prescribed by the list of plates at the end. - Mounts somewhat foxed (stronger near end); binding slightly bumped and scuffed in places but altogether well-preserved. A fine copy. The English first edition (1858) in later half morocco fetched £13,750 at Sotheby's in 2009; Atabey's copy (the 1861 second issue: corners rebacked; spine rebacked; marginal spotting) commanded £30,000 in 2002. (mehr)
  ¶ Cf. Atabey 999 (2nd issue dated 1861). Blackmer 1353 (2nd ed. dated 1865). Colas 2422 (1st ed. dated 1858). Lipperheide 1440.
 

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41 [Puzzle]. Jeu de Patience. Geduld-Spiel. [Ohne Ort], J. A., [um 1810]. Mit kolor. Kupfertafel (Galanteriestück) auf Holz (ca. 190:160 mm). Originale Buntpapier-Pappschachtel im Schuber mit gest. Deckelschildchen.
  € 1.500
Reizendes 30-teiliges Legespiel mit der Darstellung eines sich gegenüberstehenden Paares: sie in einem Empirekleid und mit Kurzhaarfrisur, er in Uniform mit Dreispitz und Degen. Die beiliegende Spielanleitung in französischer und deutscher Sprache: "Diese Stücke sind entweder krumlinicht, in Form von genau in einander passenden kleinen Halbzirkeln, oder mathematisch, das heißt in geraden Linien, welche geometrische Figuren, als Dreyecke, Vierecke, und allerley Arten von Sterne bilden, zerschnitten. Ihne Zusammensetzung, die öfters etwas mühsam ist, und Gedult erfordert, gewährt der Jugend nicht nur vieles Vergnügen, sondern ist derselben auch [...] sehr nützlich, weil diese Beschäftigung die Erwartung spannt, und dadurch die Aufmerksamkeit in dem gehörigen Grad der Stärke erhält". - Die Initialen des Verlegers "J. A." lassen sich nicht entschlüsseln. Sicher ist aber, daß es sich um ein frühes deutsches Puzzle handeln muß, und eines der allerersten überhaupt mit der heute so typischen Verzahnung der Teile. Erstaunlicherweise kamen die ersten Puzzlespiele erst 1763 auf den Markt: Der englische Kupferstecher John Spilsbury entwarf das erste Legespiel für den Geographieunterricht unter Verwendung einer Landkarte von Großbritannien, die er entlang der Grafschaftsgrenzen zersägte (vgl. Vogel, Bilderbogen, Papiersoldat, Würfelspiel und Lebensrad, S. 149). - Auf der Rückseite des Schubers hs. Eigentumsvermerke zweier zeitgenössischer Besitzerinnen: "Friderika Waltherin" und "Juliana Franziska Walther". (mehr)
 

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42 [Rezepthandschrift]. Nützliches Farben-Buch (Deckeltitel). Wohl Deutschland, um 1700. 105, (2) SS., 8 w. Bll., (12) SS. Nachträge, 64 w. Bll., (7) SS. Register, 3 w. Bll. Mit kleiner Handzeichnung eines Zapfvorgangs. Halblederband der Zeit mit roten Deckelbezügen und hs. Deckeltitel. Dreiseitiger gesprenkelter Rotschnitt. Folio (200 x 330 mm).
  € 2.000
Umfangreiches Rezeptbuch mit 151 numerierten und zahlreichen weiteren Rezepten, die weite Anwendungsfelder umfassen: Färben von Garn, Wolle und Tuch, Haarefärben, Lackarbeiten, Anfertigung von Wachsfrüchten, Seiden- und Gipsfrüchten, Zitronat, Firnis, Goldfirnis, Kunstblumen, Seidenfärberei, Farben zum Zeugdruck etc. Auf S. 82f.: "Gute Firniß zu Lacciren, von einem Apothecker in Halle erlernet." Ab S. 88: "Allerhand Wißenschaften, von einem Mann aus Hamburg erlernet, Johannes Carl Berbrich, ein Glaßschneider, wohnet auff den Pferde-Marckt an der Ecken, an der Rosen-Straße [in St. Pauli]." Behandelt Fleckkugeln, Zahnpulver, Spiegelglas, Kutschen- und Fensterglas, Reparatur von zerbrochenen Gläsern, Porzellan etc., Reinigung von Bildern, Versilbern von Kupfer, Haarwuchsmittel, Seifen, Waschwasser, Mittel gegen Sommersprossen, Pomade etc. - Möglicherweise ist das Buch Ergebnis einer Wanderschaft, da außer den erwähnten Quellen in Halle und Hamburg auch Rezeptgeber in Wolfenbüttel und Berlin sowie eine Frau von Alvensleben genannt werden. Die teilweise verwendete Schreibweise "Seeffe" für "Seife" könnte auf einen sächsischen Schreiber hinweisen. Ab S. 101 von anderer, noch zeitgenössischer Hand fortgeführt. - Einband etwas bestoßen; Kapitale mit Wurmspuren. Innen gering gebräunt. Saubere, durchwegs gut lesbare Handschrift. (mehr)
 

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43 Rossini, Gioacchino, Komponist (1792-1868). Eigenh. musikalisches Albumblatt mit Widmung und U. ("G. Rossini"). Bad Kissingen, 23. VIII. 1856. 1 S. Qu.-kl.-8vo.
  € 5.000
Vier Takte in zweizeiligem System aus einem Walzer für Klavier: "A Madlle. Pauline Granville [...]". - Papierbedingt etwas gebräunt; gerahmt. (mehr)
 

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44 Schönberg, Arnold, österreichischer Komponist (1874-1951). Eigenh. Musikzitat mit U. O. O., 1. III. 1934. 1 S. (103 x 240 mm.). Gerahmt.
  € 9.500
Aus dem Bläserquintett, Opus 26; gezeichnet "Arnold Schoenberg" und gewidmet "mit besten Grüßen". - Auf vorliegendem Blatt, entstanden unmittelbar nach Schönbergs Ankunft in Boston, wo er am Malkin Conservatory unterrichten sollte, legt er in vier Takten seine Zwölftontechnik nieder ("Anteceding sentence / consequent sentence / retrograde set"). - Gleichmäßig etwas gebräunt, in den Rändern knittrig (Randausriß unten rechts, ohne Verlust an der Unterschrift). (mehr)
 

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45 [Schraubmedaillen]. Höckhinger, Daniel. Vollständiger Satz von 17 ovalen Schraubmedaillen zur Salzburger protestantischen Emigration. [Augsburg, um 1732/33]. 17 ovale radierte und zeitgenössisch in Gold und Farben kolorierte Papierbildchen, je 35:45 mm, durchnumeriert 1-17. Verso farbig in gelb, rot und Gold bedruckt.
  € 4.500
Tadellos erhaltene Serie der sogenannten "Schraubbilder" oder "Geschraufften Medaillen", wie sie zum Andenken an das unerhörte Ereignis der Salzburger Protestantenvertreibung, der zehntausende Protestanten zum Opfer fielen, vorwiegend in Augsburg geschaffen wurden. Der Zyklus aus 17 handkolorierten Bildchen zeigt biblische Gleichnisse und konkrete Szenen aus der religiösen Bewegung im Salzburger Land bis hin zum Auszug der Emigranten und deren Ankunft in Preußen. "Es lohnt sich, die Bildeinlagen mit der Lupe zu betrachten. Selbst der Kerzenschein bei der heimlichen Hausandacht, ein Bilderrahmen oder zum Beispiel die Tressen an den Uniformen wurden mit feinstem Pinsel und mit Goldfarbe bearbeitet. Die Kolorierung nahmen die Briefmaler oder Illuministen vor. Bei den sehr guten Ausführungen sind die Linien der Kupferradierung durch die Farbe überdeckt, um den Eindruck einer Freihandminiatur zu erwecken. Auch die Rückseite bemalte man, z. T. mit Mustern in der Art des Augsburger Buntpapiers" (Marsch, 93f.). Die erste Emigrationsfolge der als Typus schon seit dem späten 16. Jahrhundert nachweisbaren "Schraubtaler" schuf der Augsburger Silberdrechsler Abraham Remshard, der auch als erster von der Einzel- zur Serienfertigung überging. Der Erfolg seiner Serie veranlaßte andere Augsburger, entsprechende eigene Werke herauszubringen, und diese Erinnerungsstücke "gehören ohne Zweifel zu den schönsten Ausführungen dieser numismatisch-graphischen Kleinkunst" (Marsch, 93). Zunächst in wirkliche ausgehöhlte Silbertaler eingelegt, wurden die Bildchen bald in speziell angefertigten Döschen aus günstigerem Metall vertrieben, was nun auch andere als kreisförmige Formen möglich machte. "Besonders sorgfältig in seiner Ausführung ist der Einlagenzyklus von Daniel Höckhinger; diesen gibt es als Variante auch im ovalen Bildformat. Auch Höckhinger hatte sich den Remshardzyklus zum Vorbild genommen [...] [Seine] Erzählung reicht jedoch bis zur Ankunft in Königsberg und bis zum Haus- und Feldbau in der neuen Heimat" (Marsch, 95). Selten; das einzige andere nachweisbare Exemplar (im Kunsthistorischen Museum in Wien) weist noch zwei für die Deckelinnenseiten bestimmte Landkarten von Salzburg und Preußen auf, die hier nicht vorliegen. (mehr)
  ¶ A. Marsch, Die Salzburger Emigration in Bildern (Weißenhorn, 1977), Z 3a (S. 93ff und Abb. Farbtafel 3).
 

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46 Siemens, Werner von, Erfinder, Begründer der Elektrotechnik und Industrieller (1816-1892). "Frage der Ursachen der atmosphärischen Strömungen". Eigenh. Manuskript mit Namenszug ("WvSiemens") im Titel. O. O., [um 1888]. 4 SS. auf Doppelblatt. 4°.
  € 5.800
Erwiderung auf eine Äußerung des Ingenieurs Max Möller (1854-1935) in der "Meteorologischen Zeitschrift": "Ich hatte nicht die Absicht auf die Frage der atmosphärischen Dynamic zurückzukommen da ich meine Anschauung hinlänglich deutlich dargelegt zu haben glaubte und da Herr Max Möller, der bisher allein in seiner Abhandlung: ‚Die Anwendung des Gesetzes der Flächen auf atmosphärische Strömungen' auf meine Mitteilung: ‚Ueber das allgemeine Windsystem der Erde' näher eingegangen ist, meiner Behauptung der Unanwendbarkeit des sogenannten Flächengesetzes auf atmosphärische Luftströmungen im Wesentlichen beigestimmt hat. Ich bin aber neuerdings darauf aufmerksam gemacht, daß einige prinzipielle Behauptungen des Herrn M. Möller der von mir aufgestellten direct entgegengestellt sind und daß mein Schweigen so ausgelegt würde als hätte ich s[ie] inzwischen fallen gelassen. Da dem nicht so ist und da es mir nicht im Interesse der Wissenschaft zu liegen scheint zwei origi[n]elle Widersprüche ungelöst ruhen zu lassen so muß ich schon um Aufnahme einer kurzen Rechtstellung [...] bitten. Herr M. Müller [!] schreibt: ‚Gegen die Ferrelsche Theorie richtet der Autor das Bedenken dieselbe mache eine allzu unbeschränkte Verwandlung von dem Gesetze der Erhaltung des Rotationsmomentes. Dies ist tatsächlich zutreffend, wie wohl eine Beschränkung der nachfolgenden Werke des Autors nothwendig erscheint; derselbe sagt: ‚Ich muß bestreiten daß die Erhaltung der Rotationsmomentes bei der Luftbewegung Platz greift' und ferner: ‚Damit das Rotationsmoment constant bleiben kann muß eine bedeutende Arbeit verwendet werden. Es fehlt aber die Kraft gänzlich welche diese Arbeit leisten könnte'. In dem ungefähren Satze müsste dies Werk gänzlich fehlen. Wir werden sehen daß thatsächlich nicht unerhebliche, meridional wirkende, Kräfte zur Verfügung stehen, daß dieselben aber allerdings nicht im Entferntesten ausreichen um einen geschlossenen einfachen Kreislauf der Luft zwischen Aequator und Pol zu unterhalten' [...]". - Papierbedingt etwas gebräunt. (mehr)
 

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47 Wagstaffe, John. The Question of Witchcraft Debated. Or a Discourse against their Opinion that affirm Witches, Considered and enlarged. The Second Edition. London, Edward Millington, 1671. (12), 198 (recte: 196) SS. (SS. 5/6 übersprungen). Zeitgenöss. Lederband (restauriert). 8vo.
  € 2.500
Dritte Ausgabe. "A work of great merit, and would do honor to a scholar and logician of the present day" (C. W. Upham, Salem Witchcraft [Mineola 2000], p. 248). Wagstaffes Verteidigung von Vernunft und Wahrheit gegen die Anwürfe der Orthodoxie "created much mirth among the wits of Oxford, as he himself ‘looked like a little wizard.’ In his book he threw doubt on the truth of the alleged instances of contracts between spirits and men and women, pronounced them to be ‘ridiculously absurd, and some of them so impossible for all the devils in hell to accomplish.’ He considered the tales as ‘partly founded in mistaken interpretations of Scripture, partly in the knavish and gainful impostures of some men, partly in the vain, foolish credulity of other men.’ His position was assailed by Meric Casaubon in the second part of his book ‘Of Credulity and Incredulity,’ 1670, and in a work entitled ‘The Opinion of Witchcraft vindicated,’ by R. T., 1670. The attacks called forth a second and enlarged edition of Wagstaffe's book" (DNB, s. v.). Die SS. 149ff. bringen Sir Thomas Mores Übersetzung des Lukian-Dialogs "Philopseudeis" ("Lovers of Lies"). - Aus der Bibliothek des Theologen Thomas Patrick Young, Präbendarius von Westminster, Caius College (gest. 1778), mit seinem gest. Wappenexlibris am vorderen Innendeckel und seiner eigenh. Verfassernotiz am Vorsatzblatt: "concerning this authere see Wood's Ath. oxon. v. 2 p. 387. J. Wagstaffe, ob. 1677 aet. 44. Wood says, that he died in a manner distracted, occasioned by a deep conceit of his own parts, + by a contintual bibbing of strong and high-tasted liquors. He was a little crooked man, + of a despicable presence. The first edition of this book was in 1669. Meric Casaubon animadverted upon it". (mehr)
  ¶ Coumont W2.3. Wing W199. Goodell 1913.
 

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48 Walch, Sebastian. Portraits aller Herren Burger-Meistern, der vortrefflichen Republique, Stadt und Vor-Orths Zürich, Von dem 1336ten biß auf das 1742te Jahr. Kempten, Walch, 1756. 24 SS. Mit Frontispiz in Schabkunstmanier, gest. Titel- und Kopfvignette, gest. Initiale und 60 Portraits in Schabkunstmanier von Sebastian Walch, meist nach Johann Caspar Füßli. Lederband der Zeit auf 5 breiten, flachen Bünden mit reicher Deckel- sowie Stehkantenvergoldung. Türkisfarbene Bronzefirnisvorsätze mit Vogel- und Blütenmotiven. Dreiseitiger Goldschnitt. Folio (295:404 mm).
  € 6.000
Das "auf eigene Kosten in Kupffer gebrachte" Werk entstand in Zusammenarbeit mit dem Schabkunstmeister Valentin Daniel Preißler. Enthält die Portraits Zürcher Bürgermeister von Rudolphus Bruno bis Johannes Hofmeister. Die prachtvoll gestochenen Brustbilder mit Wappen und kurzer Legende. - Einband etwas beschabt und bestoßen. Die Tafel 8 mit Randeinriß (ohne Bildberührung); im Rand etwas gebräunt bzw. fingerfleckig. Am vorderen Innendeckel Spuren eines Exlibris. Sehr schönes, prachtvoll gebundenes Exemplar. (mehr)
  ¶ Thieme/B. XII, 570 und XXXV, 68. Lipperheide Ga 12. Haller IV, 584. Barth 10904. Lonchamp 3226.
 

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49 Werfel, Franz, Schriftsteller (1890-1945). Eigenh. Manuskript. Wien, 1933. 3 SS. auf 3 Bll. Gr.-8vo.
  € 4.500
Drei Seiten aus seiner Rede "Können wir ohne Gottesglauben leben", die Werfel am 5. März 1932 in Wien gehalten hatte. Werfel nimmt vehement für den Glauben Stellung; ohne ihn sei keine wirklich geistige Existenz möglich. "Wir haben hier den verpönten Versuch unternommen, das Problem des Gottesglaubens aus dem Reich der Religion in das Gebiet allgemein menschlicher Betrachtung zu tragen. Die streng wissenschaftlich Gesinnten werden die zwingende Schlüssigkeit vermissen, die sie von einer Deduktion fordern. Die streng Gläubigen werden den Hinweis auf den dogmatischen Bau der Religion entbehren, in dem für sie alles in Ewigkeit geordnet und gefestigt ist. Einige dürften sich darüber aufhalten, daß die Aesthetik, das Prinzip des Wohlgefallens, angerufen wurde, um zwischen der gotterfüllten und gottlosen Welt zu entscheiden, wie zwischen zwei Gläsern gleichwertigen Weins [...] Es kann nach unseren Ausführungen kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß die Wahl der gotterfüllten Welt einen differenzierteren, werthaltigeren, 'geschmackvolleren' Geist voraussetzt als die Wahl der gottlosen Welt [...] Nun herrscht freilich unter den Geistigen heutzutage eine merkwürdige Feigheit, die sehr viele daran hindert, der größten Frage dieses Lebens offen ins Auge zu sehn. Die Gründe für diese Feigheit haben wir mehrfach angeführt. Zu dem Irrglauben, die wahre Wissenschaft maße sich eine Entscheidung an, tritt eine unbewusste Verwechslung der Gottesidee nicht einmal mit der tatsächlichen sondern mit einem politischen Zerrbild der Priesterschaft, wie es die Jahrhunderte der Aufklärung und des Freisinns in die Seelen gepresst haben. So lächerlich es klingt, für sehr viele kluge und aufgeschlossene Leute erweckt der Name Gottes und der Gedanke einer geistigen Überwelt die fürchterlichen Assoziationen: Finsteres Mittelalter! Inquisition! Folterkammer! Galilei! Progrom! Absurder Märchenglaube. - Hier warten große Aufgaben für eine Psychologie der Völker, Klassen und Generationen. Ehe die analytische Psychologie darangeht, mit ihrem Messer den menschlichen Gottesbegriff zu sezieren, müsste sie aufrichtigerweise untersuchen, welche dunkle Rachsucht ihr dieses Messer schleift. Es ist hoch an der Zeit, daß der geistig wache Mensch erkenne: Ich darf mich der letzten Frage nicht entziehen, ohne auf Erden ein feiger Schwächling zu bleiben, der keinen festen Stand hat [...]". - Unter dem Titel "Können wir ohne Gottesglauben leben" erschien 1932 bei Zsolnay ein Band mit Reden und kleinen Schriften. - Auf Bl. 3 nachträglich bezeichnet "(aus 'Gottesglauben')" sowie signiert "Franz Werfel" und datiert "Wien 1933"; mit einigen Korrekturen, teils in Bleistift, und mit einigen Streichungen; am Kopf mit Rotstift foliiert; mit Klammerspur und unbedeutenden Wischspuren. (mehr)
 

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Im Meistereinband von Bakala
50 [Windisch, Karl Gottlieb]. Beschreibung des Hochfürstlichen Schlosses Esterháß im Königreiche Ungern. Preßburg, Anton Löwe, 1784. 57, (3) SS. Mit 8 (teils mehrf.) gefalt. Kupfertafeln (Pläne, Grund- und Aufrisse, Ansichten). Zeitgenöss. Buntpapierbroschur, diese mitgebunden in prächtigem dunkelblauem Maroquinband mit aufwendiger goldgepr. Schmuckbordüren, darin achtteilige goldgepr. Lederauflage in hellblau und rot; Bandwerk, Eckfleurons, Dentellerahmen; im Mittelfeld Wappensupralibros Esterházy de Galantha; Rücken in sechs abwechselnd dekorierte Felder geteilt; goldgepr. rotes Rückenschildchen; Stehkanten- und breite Innenkantenvergoldung; Buntpapiervorsätze. Am vorderen Innendeckel signiert Ferd. Bakala. Gr.-4to.
  € 9.500
Einzige Ausgabe dieser Beschreibung des berühmten Stammschlosses der Esterházy am Neusiedler See, einschließlich des Opernhauses, in dem einige von Haydns Werken uraufgeführt wurden. Fürst Nikolaus I. (1714-90), der den Beinamen "der Prachtliebende" erhielt, erwählte das unter ihm großartig gestaltete Schloß Eszterháza, eines der schönsten Barockschlösser Österreichs, zu seiner Residenz. Die schönen Kupfer mit Ansichten und Plänen der Schlossanlage. - Breitrandiges, kaum fleckiges Exemplar; die obere Ecke des Titels angesetzt. Prächtig gebunden in überreich vergoldetem Schmuckeinband für die Familie Esterházy, angefertigt vom seinerzeit herausragendsten Buchbinder Wiens, dem in der Belvederegasse ansässigen Erzherzoglichen Kammerlieferanten Ferdinand Bakala. Tadellos erhalten. (mehr)
  ¶ Kat. der Ornamentstichslg. Berlin 2160m. Wernigg 4660. Verfasserauflösung nach A. Seidler, Vom Nutzen des Quellenstudiums. Der Brief als literaturhistorischer Informationsträger (Wien 2003), S. 4 (Fußn. 16).
 

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